25.02.2016

Ist Haushaltsarbeit teilbar?

Ein paar Gedanken anlässlich des #equalcareday am 29. Februar 2016.

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Gleichberechtigung

Lesezeit:

4 min

In letzter Zeit gab es eine große Bandbreite an Blogartikeln zum Thema Haushalt. Hier wurde berichtet, wie man versucht, die Arbeit 50:50 aufzuteilan, dort wurde darüber geklagt, dass "der Mann keinen Finger rührt". Das Thema ist gerade heiß - und es wird noch heißer. Schließlich ist am 29. Februar der #equalcareday. An diesem Tag soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass ein Großteil der unbezahlten (Pflege-)Arbeit an den Frauen hängen bleibt.

Ich habe mir aus diesem Grund auch ein paar Gedanken zu diesem Thema gemacht und bin zu einer überraschenden Erkenntnis gekommen - überraschend deshalb, weil ich erst kürzlich als "militante Feministin" bezeichnet wurde. Macht Euch selbst ein Bild:

Haushalt und Partnerschaft

Eine gleichberechtigte Partnerschaft drückt sich dadurch aus, dass die anfallenden Aufgaben von beiden (oder allen) Partnern in gleichem Maße erledigt werden. Soweit die Theorie. Das habe ich verstanden. Ich frage mich aber, inwieweit die Dinge teilbar sind, die zur Bewältigung des Familienalltags notwendig sind.

Erwerbsarbeit ist teilbar

Mal angenommen, pro Haushalt müssen etwa 60 Arbeitsstunden geleistet werden, um die Familie zu finanzieren. Dann könnten beide Partner*innen je 30 Stunden arbeiten, oder eine*r 40 und eine*r 20 oder wie auch immer. Hauptsache, man ist sich einig und alle Beteiligten fühlen sich mit ihrer Auslastung wohl.

Natürlich geht das nur, wenn auch die jeweiligen Arbeitgeber*innen mitspielen. Aber das hat man als Familie eben nur bedingt in der Hand und muss sich leider auch oft den äußeren Umständen fügen.

Erziehungsarbeit ist teilbar

Hierzu zähle ich nicht nur die Zeit, die jeder mit den Kindern verbringt, sondern auch die Gespräche über Erziehungsziele und Probleme.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass ich zwar mehr Zeit mit dem Sohn verbringe, dass mein Mann aber durch die Reflexion von Konfliktsituationen oft schlaue Lösungswege anbietet, auf die ich alleine nicht gekommen wäre. Wir überlegen gemeinsam, wie wir bestimmte Sachverhalte dem Kind erklären (Bitte nicht hauen; wir bekommen ein Baby; das komische Geräusch kommt vom Wind) und stimmen uns täglich über die optimalen Schlafenszeiten ab (der Schlaf des Kindes ist ein anstrengendes Thema in unserer Familie).

Natürlich versuchen wir die gemeinsame Zeit von Vater und Sohn möglichst lang auszudehnen. Aber auch in Abwesenheit trägt mein Mann zur Erziehung bei und hilft aktiv mit. Das führt dazu, dass er sich - genau wie ich - mit allem auskennt und ohne "Einweisung" oder "Übergabe" das Kind selbstverständlich auch oft alleine betreut.

Haushalt ist (nicht) teilbar

Beim Thema Haushalt habe ich so meine Probleme mit der gleichberechtigten Aufteilung. Ich habe bisher einfach noch keine schlaue Lösung gefunden, wie man sich die vielen anfallenden Arbeiten so aufteilen kann, dass die Beziehung nicht darunter leidet.

Auf den ersten Blick erscheint es einfach: Eine*r putzt, während der oder die andere die Spülmaschine ausräumt und danach gehen alle zusammen in den Zoo. Tatsächlich läuft es aber nicht so.

Ich versuche das Problem mal mit einem Vergleich aus dem musikalischen Bereich zu erläutern: Das Schlagzeug gibt einen kontinuierlichen Beat ab (Saugen, Müll rausbringen, Klo putzen). Die Gitarre hat zwischendrin mal ein atemberaubendes Solo (Garten winterfest machen, Advent und Weihnachten, Faschingskostüme, Eingewöhnung bei der Tagesmutter). Der Refrain kommt mehrmals, aber in großen Abständen (Reifenwechsel, Geburtstage in der Familie und von Freunden)...

Wer die „Musik des Haushalts“ hört und versteht, weiß, wann welche Arbeiten zu erledigen sind. Wer ein anderes Lied hört oder den Song nicht versteht, ist hilflos und kann nur nach Anweisung agieren.

Und genau diese Anweisungen sind es, mit denen ich ein Problem habe. Klar kann permanent ein/e Partner*in den/die andere/n darum bitten, den Müll rauszubringen oder die Fenster zu putzen. Doch selbst, wenn das in einem freundlichen (freundschaftlichen) Tonfall passiert, entsteht dabei ein Gefälle von Auftraggeber*in zu Auftragnehmer*in. Und dieses Gefälle halte ich in einer Beziehung langfristig für gefährlich.

Eine andere Möglichkeit sind Pläne und Listen. Doch auch hier wird es eine*n geben, der/die sie führt und die Aufgaben zuteilt, darüber wacht, dass nichts vergessen wird. Versucht man dies gemeinschaftlich zu lösen, rutscht man schnell in die Thematik der verhassten Stuhlkreise, in denen jede*r seine Befindlichkeiten zur Sorte der Müllbeutel und zum Turnus des Fensterputzens beisteuern muss. Sexy ist das nicht gerade. Ich finde viel Reden in einer Partnerschaft wichtig. Aber das Thema spielt dabei eben auch eine Rolle...

Also, wer „macht“ nun den Haushalt?

Ich persönlich glaube, dass es eine*n „Haushaltsbeauftragten“ geben muss. Eine*n, der bestimmt, was wann erledigt wird. Das wird wahrscheinlich die Person sein, die mehr Zeit Zuhause verbringt, einfach, weil er/sie die Aufgab­en sieht und – was mir am wichtigsten scheint – die Prioritäten erkennt und festlegt.

Das bedeutet nicht, dass diese Person auch alles alleine erledigen muss. Eine bezahlte Hilfe im Haushalt ist eine Möglichkeit, Verabredungen zu gemeinsamen Aktionen (Garten, Fenster, Autoreifen), zu denen man auch die Kinder einspannen kann, sind eine andere. Dennoch wird es immer eine/n „Oberbefehlshaber*in“ zuhause geben.

Ob man das dann so formulieren muss, dass „die Frau dem Mann Zuhause den Rücken freihält“ ist eine andere Frage.