25.01.2013

#Aufschrei

Ich möchte Euch heute von einem Internetphänomen berichten, das in seiner jetzigen Form erst seit wenigen Stunden besteht. Es geht um die alltägliche Form von Sexismus, die vielen Frauen ständig begegnet. Die neue Bewegung beginnt - wie so oft - im Kurznachrichtendienst Twitter.

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Twitter

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Ich schreibe diesen Blog hier eigentlich in meiner Funktion als Selbstständige im Bereich Onlinemarketing. Ich erkläre Begriffe und Funktionen und erzähle von meinen Projekten. Natürlich mischen sich da immer wieder auch persönliche Erfahrungen ein. Doch so intensiv wie heute, war das eigentlich noch nie der Fall.

Der Grund ist, dass ich heute mit schlechter Laune und Herzrasen aufgestanden bin, weil ich noch im Bett gelesen habe, was heute Nacht auf Twitter passiert ist. Es gibt einen neuen Hashtag: #Aufschrei.

Unter diesem Hashtag sammeln (hauptsächlich) Frauen Beispiele für Sexismus, und erzählen Geschichten, die ihnen passiert sind. 140 Zeichen sind da oft mehr als genug, denn fast jede Situation kommt einem bekannt vor. Man hat sie schon mal gesehen oder gehört oder selbst erlebt. Beispiele:

Tweets wurden mit Genehmigung für diesen Artikel verwendet.

Wer sich die gesammelten Tweets mit dem Hashtag #Aufschrei ansieht, der muss schon ziemlich kaltblütig sein, um nicht sauer zu werden. Allein die große Masse der Geschichten macht sprachlos, doch wenn man erstmal anfängt darüber nachzudenken, wie jede einzelne Situation für die betroffene Frau war, dann kann man eigentlich nur noch weinen. Das haben einige auch getan - und darüber getwittert.

Die Geschichte von #Aufschrei

Der Hashtag #Aufschrei ist noch ganz frisch - er ist erst in der vergangenen Nacht entstanden. SPIEGEL ONLINE hat ein Interview mit den beiden Frauen geführt, die die Aktion ins Rollen gebracht haben: #Aufschrei auf Twitter: "Männer nehmen den alltäglichen Sexismus gar nicht wahr"

Doch schon in den vergangenen Tagen wurde ein passender Begriff gesucht. In Amerika werden die Geschichten zum Alltagssexismus bereits seit einiger Zeit unter dem Hashtag #StreetHasassment gesammelt. Der passenden deutsche Begriff dazu musste erst gefunden werden.

Der Auslöser für diesen Sturm ist die Berichterstattung über das Interview, das eine Stern-Journalistin mit dem FDP-Politiker Rainer Brüderle führte. Sie berichtet, dass er anzügliche Bemerkungen gemacht hat. In vielen Medien wird aber nicht Herr Brüderle dafür kritisiert, sondern die Journalistin. Ninia LaGrande hat dazu einen guten Artikel verfasst: "Böses Mädchen!"

Auf die Idee, dass diese Vorwürfe der Wahrheit entsprechen müssen anscheinend viele Journalisten erstmal gebracht werden. #Aufschrei hilft hoffentlich dabei, diese Mentalität zu verändern.

Ich folge einigen sehr engagierten Frauen auf Twitter, die schon lange über Sexismus berichten. Deshalb habe ich heute schnell von der ganzen Aktion erfahren und möchte Euch mit meinem Text auf den aktuellen Stand bringen.

Mein #Aufschrei

Ich selbst habe natürlich auch schon einige Dinge erlebt, die mir immer noch einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Doch ehrlich gesagt ist mir selbst erst durch die Tweets der vielen anderen aufgefallen, dass es nicht normal sein kann, sich zu sorgen, sobald man nach Sonnenuntergang draußen unterwegs ist. Erst so langsam wird mir selbst auch klar, wie viele Kleinigkeiten jeden Tag passieren, die ich einfach hinnehme.

Ich habe ein tolles berufliches Umfeld. Obwohl ich mich in meinem Job in einer sog. "Männerdomäne" bewege und mit vielen "typischen Männerberufen" in Kontakt komme, begegnen mir hier keine Vorurteile. Ich weiß, dass einige Frauen hier sicher denken werden, dass das Normalität sein sollte und es keinen Grund gibt, das extra zu betonen. Doch es ist mir wichtig das zu erwähnen.

Wo ich jedoch aus der Haut fahren könnte, das sind die Verkäufer. Ich hatte gleich zwei Erlebnisse, die sich (bis auf das Geschäft) bis ins kleinste Detail glichen. Ich bin mit meinem Freund zusammen in einen Laden gegangen um mich zu informieren. Wir hatten in beiden Fällen eine eindeutige Kaufabsicht. Ich stellte dem Verkäufer fragen, der Verkäufer antwortete meinem Freund. Der erste Laden war die Küchenabteilung eines Möbelhauses. Die Konsequenz war, unsere teure Küche in einem anderen Geschäft zu kaufen. Der zweite Laden war ein Computerladen (zu dem es hier in Augsburg leider keine Alternative gibt). In diesem Laden bin ich einen Schrit nach rechts gegangen, um wieder frontal vor dem Verkäufer zu stehen und ihn so zu zwingen, mich direkt anzusprechen. Das hat er dann auch begriffen, aber leider nur für wenige Minuten.

Keine Ahnung, ob ich richtig reagiert habe. Sicherlich wäre es besser gewesen, den Mann direkt darauf anzusprechen, denn nur so wird sich langfristig etwas ändern - und das ist ja das Ziel von uns allen, oder?

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