02.01.2012

Querdenker-Club: schlechte Erfahrungen!!!

Login-Probleme, keine Reaktionen aus dem Service-Center und immer wieder neue Rechnungen trotz Kündigung. Eine Anleitung dazu, wie man ein Soziales Netzwerk NICHT betreiben sollte.

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SMM, Kritik, Social Media, Tipp

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Ich bin online, immer und auf vielen Webseiten und Plattformen. Social Media ist mein Beruf und meine Berufung. Natürlich melde ich mich bei neuen Netzwerken an, um sie zu testen und Erfahrungen zu sammeln, zu lernen. Heute möchte ich von meinen Erlebnissen mit der Querdenker-Community erzählen.

Wie ich ein Querdenker wurde

Es war zum Jahresbeginn 2011, als ich auf den Querdenker-Club aufmerksam geworden bin. Ich glaube der Kontakt kam über die Einladung in eine entsprechende xing-Gruppe zustande. Danach habe ich das Clubmagazin abonniert. Ich war schnell begeistert, die Ideen und Ziele, die ich laß haben mich angesprochen. Im Querdenker-Club treffen sich nämlich Entscheider und kreative Macher, die ungewöhliche Denkansätze haben. Regelmäßig geht man auf Kongresse und zu Informationsveranstaltungen.

Dass man mich als Mitglied in einem Club wünschte, in dem sich Menschen mit ungewöhnlichen Ideen treffen hat mir natürlich geschmeichelt. Noch relativ frisch selbstständig stand ich mit meetshaus zum ersten mal auf eigenen Beinen und war um jeden Kontakt froh – eine gute Masche, wie sich jetzt herausstellt.

Das Zielgruppen-Matching von Otmahr Ehrl, dem Chef-Querdenker ist perfekt. Nicht nur, dass die Ansprache Leute wie mich direkt im Unternehmerherzen trifft, auch das dazugehörige Querdenker-Magazin ist richtig gut aufgemacht. Tolles Papier, tolles Design, intellektuelle Artikel und kreative Denkansätze – ein Club zum verlieben.

Die Querdenker Online-Community

Schneller als sonst habe ich mich zu einer kostenpflichtigen Mitgliedschaft in der Querdenker-Community hinreißen lassen und mich auf der neuen Plattform eingeloggt. Hier folgte die erste Ernüchterung, denn das Portal ist völlig unübersichtlich.

Irgendwie verständlich, dass man sich als Querdenker eine eigene Online-Community aufbauen möchte, aber dass man sich an keine einzige Regel beim Aufbau einer Netzwerk-Struktur und einer Benutzerführung hält, ist schon bemerkenswert. Facebook und Co kann man kritisieren, aber gewisse Standards im Bereich Online-Netzwerk wurden hier nun mal gesetzt – warum also jedes kleine Rädchen neu erfinden?

Ein paar Beispiele (aus der Erinnerung, denn ein Login ist für mich nicht mehr möglich):

  • Navigationspunkte haben immer Doppelnamen wie „magazin & thinktank“. Als Nutzer möchte ich wissen, ob sich hinter einem Klick Informationen zum Magazin oder zum Thinktank befinden. Wenn ich bei jedem Klick aufs neue überrascht werde, dann nervt das nach wenigen Minuten. Selbst die grundlegenden Funktionen der Community, wie Netzwerk, Kontakte, Neuigkeiten und ähnliches wurden stets unklar mit Doppelnamen beschriftet.
  • Übersichtsseiten in Sinne von „neues aus dem Netzwerk“ oder „neueste Einträge“ sind schwer zu finden und unsinnig verlinkt.
  • Die Suche funktioniert kaum.
  • Der Seitenaufbau folgt keinem gängigen Design. Ich bin mir sicher, dass die Anweisung an den Gastalter lautete: „Mach mal was ganz Neues“. Schlechte Idee.
  • Und so weiter...

Zu Beginn hat mich das Chaos ein wenig abgeschreckt und ich war enttäuscht. Ich hatte ein perfekt durchdachtes Onlineportal erwartet und bekam im wahrsten Sinne des Wortes eine verquere Seitenstruktur.

Nach ein paar Wochen Pause habe ich mich dann doch noch einmal eingehend mit der Plattform beschäftigt und mich durchgeklickt. Ich habe sogar angefangen Kontakte aufzubauen und mit anderen Nutzern in Austausch zu treten. Es fing an Spaß zu machen.

Technische Probleme beim Login

Der Spaß war vorbei, als mein Account nicht mehr funktionierte. Ein Login war plötzlich nicht mehr möglich. Jeder Versuch brachte mir eine Fehlermeldung, obwohl ich die selben Anmeldedaten benutzt habe, wie zuvor auch (ich bin schon groß, ich merke mir meine Passwörter).

Was macht man also in so einem Fall? Man klickt auf den Button „Passwort vergessen“ und wartet auf die E-Mail mit dem neuen Passwort. Und wartet. Und wartet.

Es ist nicht so, dass ich den ganzen Tag vor meinem Rechner sitze und meinen E-Mail-Posteingang anstarre, um mich endlich wieder im Querdenker-Club einloggen zu können. Wenn die Mail mit dem neuen Passwort nicht kommt, dann vergisst man das eben wieder und wundert sich dann eine Woche später darüber, dass man immer noch keine Mail bekommen hat. Man versucht es also erneut und erneut und irgendwann bekommt man dann tatsächlich ein neues Passwort. Es ist der 21. Juni 2011.

Ich fange also wieder an zu netzwerken und engagiere mich im Querdenker-Club. Reger Austausch entsteht und ich fange an, die Passwortgeschichte zu vergessen. Bis ich mich plötzlich wieder nicht mehr einloggen kann.

Am 30. September schickt mir Querdenker gnädigerweise zum zweiten mal ein neues Passwort – nach dem ich es ungefähr 30 mal angefordert hatte. Leider ist auch damit kein Login möglich und ich erhalte Fehlermeldungen.

Kontaktaufnahme unerwünscht

Wenn man, wie ich, mit einem Programmierer zusammen lebt, dann weiß man, das die Technikabteilung mit „geht nicht“ nichts anfangen kann. Techniker brauchen ausführliche Fehlerbeschreibungen und die Fehlermeldungen vom System um die Ursache zu finden und zu Reparieren. Als gut erzogenes Online-Mädchen schicke ich also die Fehlermeldung am 6. Oktober 2011 an die Betreiber club@querdenker.de - eine Antwort erhalte ich nicht.

Der Kontakt ist ohnehin sehr schwierig. Zwar werden im Portal die Ansprechpartner mit Bild und Fachgebiet genannt, anschreiben kann man sie aber nur als angemeldetes (und eingeloggtes) Mitglied.

Am 10. Oktober werde ich langsam sauer wegen dem miserablen Service und kontaktiere den Betreiber Otmar Ehrl via Facebook.

Auch hier erhalte ich keine Antwort.

Der souveräne Internetnutzer schreibt eine Kündigung

Am 11. Oktober platzt mir der Kragen. Wir schreiben das Jahr 2011 und die Sozialen Netzwerke haben enorme gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung. Ich kann es nicht fassen, dass die Betreiber einer „innovativen“ Onlineplattform mich als zahlenden (!!!) Nutzer so konsequent ignorieren und schreibe eine Kündigung.

Zwei Tage später erhalte ich die Bestätigung meiner schriftlichen Kündigung per E-Mail:

Sehr geehrte Frau Figas, hiermit bestätigen wir Ihnen die fristgerechte Kündigung Ihrer CLASSIC-Mitgliedschaft im QUERDENKER-Club. Bis zum Ende Ihrer Mitgliedschaft am 31.12.2011 können Sie selbstverständlich weiterhin die Vorteile Ihrer CLASSIC-Mitgliedschaft uneingeschränkt nutzen. Wir bedauern sehr, Sie als kreativen QUERDENKER zu verlieren. Wir hoffen jedoch, dass wir Ihnen einige wertvolle Impulse vermitteln konnten und Sie eventuell zu einem späteren Zeitpunkt erneut als QUERDENKER begrüßen zu dürfen.

Ich ergänze das am 17. Oktober mit der Abmeldung vom Newsletter, lösche die URL aus meinen Lesezeichen und beginne den ganzen Ärger zu vergessen. Til Schweigers peinlichen Auftritt beim Querdenker-Award quittiere ich mit einem wissenden Schmunzeln. Gut dass ich damit nichts mehr am Hut habe.

Kündigung? Welche Kündigung?

Ganz ehrlich, ich hatte das Thema Querdenker abgehakt. Vielleicht hatte ich einfach Pech und bin aus irgendwelchen Problemen bei im Serviceteam mit meinen Anfragen durchgerutscht. Ich kenne das Geschäft und weiß, wie nervig die Anfragen und Probleme der Nutzer manchmal sein können. Dumme Fragen und zeitraubende Erklärungen sind für jeden im Online-Business der Graus. Ich habe wirklich Verständnis.

Doch was mich wirklich stinkwütend macht ist, dass bei dem Sauhaufen von Querdenkern anscheinend nicht einmal die Buchhaltung funktioniert. Trotz Kündigung und Bestätigung der Kündigung erhalte ich am 31. Dezember 2011 wieder eine Rechnung aus dem Hause Querdenker und mein Blutdruck steigt bedenklich an. Der größte Witz an der Sache: in der E-Mail mit der Rechnung befindet sich keine Rechnung, sondern nur ein Link zu meiner Rechnung. Möchte jemand raten, wohin der Link führt? Richtig, in den Mitgliederbereich der Community, den man nur mit gültigem Login erreicht.

Sollte es noch jemanden geben, der bis hierhin gelesen hat und sich noch nicht die Haare rauft, für den habe ich noch ein Sahnehäubchen zum Schluss: Die Rechnungsnummer der per Mail angekündigten Rechnung lautet: #0000-1234. Man muss fast davon ausgehen, dass diese Nummer kein lustiger Zufall ist, sondern dass irgendein Praktikant hier mal schnell einen Dummy angelegt hat, oder?

Ob Hannes Jaenicke weiß, wofür er sein Gesicht hergibt?

Update im September 2015: Und wie geht es weiter?

Weil sich dieser Blogartikel immer noch großer beliebtheit erfreut und regelmäßig von neuen Besuchern aufgerufen wird, möchte ich nun eine Chronologie der Ereignisse anfügen:

21. Juni 2011: Zum ersten mal ein neues Passwort angefordert (hat nicht funktioniert)

30. September 2011: Zum zweiten mal ein neues Passwort angefordert (hat nicht funktioniert)

13. Oktober 2011: Bestätigung meiner Kündigung

6. November 2011: Ich informiere den QuerdenkerClub darüber, dass der Passwort-Reset nicht funktioniert.

17. November 2011: Abmeldung vom Querdenker-E-Mail-Verteiler

31. Dezember 2011: Nachricht vom Querdenker-Club "Sie haben eine neue Rechnung mit der Nummer #0000-1234 erhalten"

2. Januar 2012: Ich beschwere mich per E-Mail über die ungerechtfertigte Rechnung.

18. Januar 2012: 2. Kündigungsbestätigung

24. Februar 2012: Nach meiner Beschwerde wegen der Rechnung trotz Kündigung erhalte ich eine kostenfreie Mitgliedschaft bis Ende 2012

25. April 2012: Wegen meiner Beschwerde darf ich kostenlos an Querdenker-Events teilnehmen. Als ich mich für ein Event anmelden will, erhalte ich die Antwort: "Sie dürfen sich eine Abendveranstaltung aussuchen. Leider gilt dies nicht für das Gipfeltreffen oder den Kongress."

31. Dezember 2012: Rechnung

18. Januar 2012: 1. Zahlungerinnerung

25. Januar 2012: 2. Zahlungerinnerung (zur Erinnerung: Ich kann mich nicht einloggen, deswegen kann ich auch dem Link zur Rechnung nicht folgen, weshalb ich weder weiß, wie viel Geld die von mir wollen, noch wohin ich das Geld überweisen soll)

30. Januar 2012: 3. Bestätigung über die Stornierung meiner Rechnung

28. Februar 2013: 3. Kündigungsbestätigung

11. März 2013: Ich werde über eine Kontaktafrage von einem anderen QuerdenkerClub-Mitglied benachrichtigt

15. März 2013: Ich werde über eine Kontaktafrage von einem anderen QuerdenkerClub-Mitglied benachrichtigt

18. März 2013: Ich werde über eine Kontaktafrage von einem anderen QuerdenkerClub-Mitglied benachrichtigt. Brisant: Das Mitglied ist eben jene Servicemitarbeiterin, die mir auch meine Kündigung bestätigt hat.

27. März 2013: Ich werde über eine Kontaktafrage von einem anderen QuerdenkerClub-Mitglied benachrichtigt

27. März 2013: Ich beschwere mich per E-Mail: "Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe ihre E-Mail (siehe unten) so verstanden, dass mein Account bei Ihnen gelöscht wurde. Doch jetzt habe ich allein im März drei Kontaktanfragen erhalten, über die ich per E-Mail benachrichtigt wurde. Ich schließe daraus, dass mein Account (den ich schon seit Jahren nicht mehr aufrufen kann, weil der Login nicht funktioniert) noch nicht gelöscht ist. Bitte veranlassen Sie die Löschung oder sagen Sie mir, was ich tun muss, um ENDLICH ihre Community verlassen zu können.

Besten Dank

Lisa Figas"

22. April 2013: Ich werde über eine Kontaktafrage von einem anderen QuerdenkerClub-Mitglied benachrichtigt

13. Mai 2013: Ich werde über eine Kontaktafrage von einem anderen QuerdenkerClub-Mitglied benachrichtigt

20. Mai 2013: Einladung per E-Mail: "Hallo Lisa, derzeit laufen noch zahlreiche spannende Ideen-Wettbewerbe, wo es insgesamt fast 10.000 EURO an Prämien gibt. Die Gewinne sind natürlich wie beim Lotto steuerfrei."

3. Juni 2013: Ich werde über eine Kontaktafrage von einem anderen QuerdenkerClub-Mitglied benachrichtigt

19. Juni 2013: Ich werde über eine Kontaktafrage von einem anderen QuerdenkerClub-Mitglied benachrichtigt

22. Juni 2013: Ich werde über eine Kontaktafrage von einem anderen QuerdenkerClub-Mitglied benachrichtigt - was macht mein inaktives Profil so interessant für die anderen Mitglieder??? Ich versteh es nicht!

27. Juni 2013: Ich werde über eine Kontaktafrage von einem anderen QuerdenkerClub-Mitglied benachrichtigt

10. Juli 2013: Ich bekomme den "Q-Denkzettel". Das ist der Mitglieder-Newsletter.

23. Juli 2013: Mittlerweile ist dieser Artikel zu einem der erfolgreichsten (meist aufgerufenen) in meinem Blog geworden. Wie viel Ärger die Damen und Herren Querdenker sich ersparen könnten, wenn Sie mich einfach mal aus der Datenbank löschen würden...

12. Oktober 2013: Ich erhalte eine E-Mail von Herrn Ehrl 'persönlich'. Er bedauert meine Kündigung und fragt nach den Gründen. Da er mir bereits einmal auf diesen Blogbeitrag hier geantwortet hat, weiß ich, dass er die Gründe kennt und schtäze diese Mail als Massen-Rundschreiben ein. Außerdem bietet er mir ein vergünstigtes Ticket für den Querdenker-Kongress an (der bereits in 7 Tagen stattfindet) und erwähnt, dass es jetzt noch viel mehr wahnsinnig tolle Angebote für Mitglieder gibt.

27. August 2015: Nach fast zwei Jahren Ruhe in dieser Angelegenheit, erhalte ich wieder per E-Mail eine Benachrichtigung über eine neue Rechnung. Diesmal mit der Rechnungsnummer 0000-1103. Das nicht nur unglaublich frech, sondern sicherlich auch irgendwie rechtswidrig. Denn von fortlaufenden Rechnungsnummern kann hier keine Rede sein. Schließlich hatte ich im Jahr 2011 schon mal die Rechnungsnummer 0000-1234. Querdenker, Ihr nervt!

Und wie geht diese Geschichte weiter? Wir sind gespannt...


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