Blog Action Day 2012: The Power of We

Jedes Jahr am 15. Oktober verabreden sich Blogger aus der ganzen Welt, um über ein bestimmtes Thema zu schreiben. Nach Water, Food und Poverty, steht dieses Jahr "The Power of We" auf dem Programm. Hier kommt mein Beitrag.

The Power of We ist meiner Meinung nach ein sehr passendes Thema für den diesjährigen Blog Action Day, das hervorragend zum Zeitgeist passt. Schließlich schießen überall Carsharing-Plattformen, Give-Boxen und Tauschbörsen aus dem Boden. Hippe Städter bewirtschaften gemeinsam Stadtgären um Gemüse anzubauen und in jeder größeren Stadt, die etwas auf sich hält, entsteht ein Coworkingspace.

Über die sogenannten "alten Zeiten" kann ich mit meinen 27 Jahren nicht viel sagen. Aber ich spüre deutlich den Drang der Menschen nach Zusammenhalt und danach, gemeinsam etwas zu bewegen. Sinnbild für alle, die von unten gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollen, ist mit Sicherheit der Wahlkampf von Barak Obama gewesen, der vor vier Jahren unter der Parole "Yes We Can" die Amerikaner (und auch die Europäer) zusammengeschweißt hat. Mit winzigen Wahlkampfspenden und einer genialen Social Media Kampagne konnte wurde Obama ins Amt getragen - der Jubel war groß.

Jetzt befinden wir uns wieder in einem amerikanischen Wahlkampf und die Erinnerungen an "Yes We Can" sind allgegenwärtig. Wie schön, dass die Veranstalter des Blog Action Day dieses Jahr so ein treffendes Thema ausgesucht haben!

The Power of We

Der Moment, an dem ich persönlich die Energie der Masse am stärksten gespürt habe, wurde durch das Elbe-Hochwasser vor einigen Jahren in Deresden ausgelöst. Ich habe mich für einige Wochen in der Stadt aufgehalten, um die Sommerferien bei meinem Vater zu verbringen. Das Steigen des Wasserpegels haben wir damals sehr besorgt beobachtet. Der Haus von meinem Vater und auch seinem Weinladen ist damals nichts passiert, aber die ganze Stadt war in Ausnahmezustand und alle waren in Sorge wegen der vielen historischen Bauten, der Brücke und den ganzen Kunstschätzen. Jeder hatte das Bedürfnis irgendwas tun zu müssen.

Wir haben uns dazu entschieden, beim Füllen der Sandsäcke zu helfen, und sind deshalb zu einem der Baustoffhöfe gefahren, die in den Nachrichten genannt wurden. Dort wimmelte es bereits von hunderten Helfern und die Stimmung war gut. Es gab Schaufeln und Sand und Säcke und irgendwie organisierten sich die Menschen selbst. Es fanden sich Zweiergrüppchen von völlig Fremden - einer hält den Sack auf, der andere Schaufelt.

Im Konvoi kamen die Anwohner mit Autos, Lastwägen und Anhängern und haben die Säcke angeholt, um ihre Häuser vor dem Wasser zu schützen. Sie haben uns schaufelnde auf dem Laufenden gehalten und erzählt, wie es in den umliegenden Dörfern aussieht. Vielleicht erinnern sich ja noch manche an die Familie, die stundenlang auf der Mauer in den Fluten ausharren musste...  Das waren die Geschichten, die wir hörten.

Doch es kamen auch andere Leute, die keine Sandsäcke benötigten. Ein Rentner konnte nicht mithelfen, war aber zum Supermarkt gefahren und kam mit einer Wagenladung voller Getränke mit, die er einfach an uns verschenkte - es war einer der heißesten Tage des Jahres. Andere alte Leute hatten den örtlichen Bäcker leer gekauft und Brötchen belegt. Die haben bestimmt für hundert Leute Käsesemmeln gebracht - es war einfach unglaublich. Jeder hat getan, was er konnte.

Auf diese einfache Formel kann man The Power of We herunter brechen: Jeder tut, was er kann. Nur so, wird das Ganze ein Erfolg.

Ich bekomme heute noch feuchte Augen, wenn ich an diesen Nachmittag denke. Obwohl das Wasser in ganz Sachsen so viel Schaden angerichtet hat, hat es menschlich so viel Gutes bewirkt. Das haben auch viele andere Menschen so empfunden, von denen ich gelesen habe oder mit denen ich sogar persönlich gesprochen habe.

The Power of We im Meetshaus-Alltag

Bei meetshaus geht es selten darum, ein historisches Gebäude oder ein Einfamilienhaus zu retten, aber es gibt trotzdem jeden Tag spannende Aufgaben, an denen ich wachse. Eigentlich habe ich für diese Aufgaben ein hübsches Homeoffice. Ein großes Büro mit zwei Fenstern, mehreren riesigen Schreibtischen und Aktenschränken und all diesem Zeug. Aber ich kann nicht tagein tagaus alleine zuhause herumsitzen.

Viele von meinen Bekannten fragen mich, ob ich dann nicht den ganzen Tag Fernsehen würde - nein, das tue ich nicht. Das Problem liegt auch nicht darin, dass ich anderweitig abgelenkt bin. Das Problem ist, dass man einfach niemanden zum Reden hat.

Ich brauche ab uns zu jemanden, der mein Problem versteht, mit mir über eine blöde E-Mail lacht oder mir einen Tipp gibt. Ohne andere Menschen geht es einfach nicht! Der Coworkingspace ist ein Ort, an dem alle so sind wie ich - Einzelkämpfer, die nicht alleine kämpfen wollen. Menschen, die ihren Job lieben, aber gut auf sich aufpassen und sich nicht in der Arbeit verlieren wollen.

Diese Gemeinschaft ist wunderbar und ich kann es nur jedem ans Herz legen, das Arbeiten in einem Coworkingspace einmal auszuprobieren. Hier ballen sich so viel Know How und so viel Leidenschaft - das ist einfach fantastisch! Ich liebe meinen Augsburger Coworkingspace und schicke an dieser Stelle gleich mal ganz liebe Grüße zur max 30.1-Crew!

Andere Action Day Blogger

Ich möchte Euch zum Schluss noch ein paar Links zu anderen BAD12-Beiträgen mitgeben. Ich werde die Liste nach und nach füllen.

  1. Blogpost zum Thema Crowdfunding und Coworking im Blog von Fleckendeckend, dem ökologischen Geschenkpapier (mein neues Projekt)
  2. Der erste Blogartikel von Manuel, dem neuen Praktikant im Coworkingspace zum Blog Action Day 2012
  3. Vorwärts Werbung, die Werbeagentur aus Augsburg, erklärt in Ihrem Agenturblog, was eine Blogparade ist, und warum man beim Blog Action Day mitmachen sollte.
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