Das innere Kind heilen (Buchbesprechung)

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Mit Hilfe des Buddhismus sich selbst achtsam annehmen - dabei will Renate Seifarth helfen.

Heile das Kind in dir - Renate Seifarth

Ich verrate sicherlich nicht zuviel, wenn ich schreibe, dass ich das Buch aufgrund persönlicher Interessen ausgesucht habe. Natürlich frage auch ich mich, warum ich in manchen Situationen reagiere, wie ich reagiere. Natürlich liegt auch für mich der Gedanke nahe, dass ich die Erklärung für einige Anteile meiner Persönlichkeit in meiner Kindheit finde.

Ich hatte jedoch gleich in der Einleitung das Gefühl, dass ich in "Heile das Kind in Dir" keine Antworten finden würde. Mir schien, die Autorin spricht vor allem Menschen mit traumatischer, gewaltvoller Vergangenheit an. Menschen, die den Zugang zur eigenen Persönlichkeit verloren haben, die kein Gefühl mehr für die eigene Seele haben und ihre eigenen Gefühle kaum wahrnehmen. Ihnen will sie durch Meditation helfen, mit sich selbst in Einklang zu kommen. Die eigenen Gefühle sollen liebevoll angenommen und wertfrei erlebt werden. Achtsamkeit im Alltag soll die Aufmerksamkeit auf das Selbst legen.

All das wird erreicht durch: Meditation. Die Meditation wird im ersten Teil des Buches oft angekündigt und erwähnt. Wie genau sie funktioniert, erfährt die Leserin aber erst weiter hinten, was bei mir beim Lesen zu Ungeduld geführt hat.

Tatsächlich sind die einzelnen Einheiten und Übungen in den Text eingebaut. Sie bilden einfach einzelne Absätze und unterbrechen den Lesefluss. Ich habe mich deshalb oft gefragt, wie man dieses Buch verwenden soll. Lesen und abwechselnd Meditieren finde ich persönlich unpraktisch. Doch die Übungen sind so zahlreich, dass man kaum weiterlesen und später zur Übung zurückkehren kann. Ich habe mir dann vorgestellt, dass man Heile das Kind in Dir während einer mehrwöchigen Yoga-Retreat-Reise durcharbeiten könnte - wenn einem diese Art der Selbsttherapie liegt.

Und das ist für mich auch der wichtigste Punkt: Wie kann eine Leserin entscheiden, ob das Buch für sie geeignet ist, oder ob eine Traumatherapie nicht wesentlich sinnvoller wäre? Es gibt einige Stellen im Buch, bei denen ich schlucken musste. Kann man eine Überlebende von Kindesmissbrauch ernsthaft dazu bringen, sich selbst in den Arm zu nehmen, sich als Kind zu wiegen und sich mit dem inneren Kind darüber zu unterhalten, wie es sich gerade fühlt? Ich finde ja, das solch ein Herantasten an Gewalterfahrungen von Fachpersonal begleitet werden sollte.

Leider habe ich überhaupt keinen Zugang zur Herangehensweise der Autorin Renate Seifarth gefunden. Vielleicht lag es daran, dass mir der Buddhismus, verpackt in Achtsamkeitshäppchen hierfür nicht die richtige Methode zu sein scheint oder daran, dass die Idee zu durchschaubar ist: Die Lösung Deiner Probleme liegt bereits in Dir selbst - ich helfe Dir, zur Erkenntnis zu kommen.

Das Buch Heile das Kind in dir von Renate Seifarth ist bei O.W. Barth erschienen. Es kostet 16,99€. Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung eines kostenfreien Probeexemplares.