Datenschutz an Schulen - 3 große Probleme

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Die Daten, die Schulen verarbeiten, gelten laut DS-GVO als besonders sensibel und schützenswert, weil die Betroffenen Minderjährige sind. Doch wie sieht dieser Datenschutz in der Praxis aus?

Für mich ist Datenschutz privat und beruflich ein wichtiges Thema. Datenschutz an Schulen interessiert mich nun aber um so mehr, da wir nun auch ein Schulkind haben. Eine gute Gelegenheit also, sich mal anzusehen, wie es mit dem Schutz personenbezogener Daten in deutschen Bildungseinrichtungen aussieht.

DS-GVO an Schulen

Als im Mai 2018 die neue Datenschutz Grundverordnung in Kraft trat, hatte das auch Auswirkungen auf das Bundesdatenschutzgesetz und die Landesdatenschutzgesetze. Letztere gelten für die Bildungseinrichtungen der jeweiligen Bundesländer.

Eine wichtige Änderung, die vor allem organisatorisch interessant ist: Jede Schule muss eine oder einen Datenschautzbeauftragte/n benennen. Sollte es jedoch zu einer Datenpanne kommen, haftet die Schule - und nicht etwa der/die Datenschutzbeauftragte. Auch einzelne Lehrer/innen sind eigentlich nicht haftbar.

Dementsprechend müsste die Schule sich um die Umsetzung der Datenschutzrichtlinien kümmern, Fortbildungen für die Lehrkräfte anbieten und für die erforderliche Hardware und Software sorgen. Und damit ist nicht nur die Anschaffung gemeint, sondern auch die regelmäßige Wartung und das Einspielen von Updates.

Das Ganze wird noch dadurch verkompliziert, dass Lehrkräfte oft mobil arbeiten, da Homeoffice ein fester Bestandteil der Arbeit ist. Das System muss also nicht nur sicher und aktuell sein, siondern auch noch dezentral und flexibel. Eine große Herausforderung.

Drei große Probleme für den Datenschutz an Schulen

Bei Boxcryptor, dem IT-Sicherheitsunternehmen, bei dem ich arbeite, haben wir überlegt, welche Hürden eigentlich dem Datenschutz in Schulen im Weg stehen. Dabei sind wir auf drei zentrale Themen gestoßen.

1. Problem: Datenschutz hängt von persönlicher Neigung ab

Die Erfahrung zeigt, dass sich an den Schulen und Lehrstühlen einzelne Personen dem Thema Datenschutz annehmen. Sie schlagen Software vor, kümmern sich um die Weitergabe von wichtigen Informationen und helfen dem Team. Das ist natürlich ehrenwert, jedoch keineswegs ausreichend. Denn wenn im Kollegium oder am Lehrstuhl zufällig kein Experte und keine Expertin für IT-Sicherheit ist, dann liegt dieses Feld eben brach. Außerdem ist so ein "System" auch sehr anfällig, denn wenn die Person die Bildungseinrichtung verlässt, verschwindet auch das Wissen. Und aus dem Projektmanagement wissen wir, dass das stets eine Situation ist, die große Risiken birgt.

2. Problem: Prestige schlägt Budget

Schulen, die ein Budget für das Thema IT frei machen, fokussieren sich in der Regel auf Geräte, die man sehen und anfassen kann. Es geht um das Prestige, denn wie kann man zeigen, dass man eine moderne Bildungseinrichtung ist? Natürlich, indem man seine technischen Geräte zeigt. Die Lokalpresse kann hübsche Fotos machen und die Eltern sind zufrieden, wenn ihnen beil Elternabend Tablets, Whiteboards und derlei präsentiert wird.

IT Sicherheit kann man in den seltensten Fällen ansehen und anfassen. Verschlüsselungssoftware arbeitet in der Regel möglichst unauffällig und ein Security Key mit Fingerabdruckscanner ist meist nur ein winziges Gerät, das an einen Schlüsselanhänger passt. Damit, dass alle Updates zeitnah eingespielt werden lässt sich leider auch nicht unbedingt ein Blumenstrauß gewinnen.

Das Problem ist also, dass es nur einen Budget-Topf für IT gibt. Und wenn sich Sicherheit mit Tablets um das Geld streiten muss, gewinnen meistens die Tablets.

3. Problem: Jede Schule macht ihr eigenes Ding

Die Schulen und Universitäten sind in der Regel Einzelkämpfer. Die Webseite, die Verwaltung, die Geräte - jede Bildungseinrichtung entscheidet für sich selbst. Das mag in mancher Hinsicht ein bewährtes Prvileg sein. Im Bereich IT Sicherheit bringt es allerdings unverhältnismäßig großen Aufwand mit sich, denn jede Bildungseinrichtung erfindet quasi für sich selbst das Rad neu.

Dazu kommt, das ein einmalige Setup nicht reicht. Updates, Beobachtung des Marktes und Fortbildungen müssten eigentlich fester Bestandteil der Datenschutzstrategie sein. Doch das kann kaum eine Schule leisten.

Fazit

Als ich die Webseite der Schule besucht habe, die mein Kind besuchen wird, war mir auf den ersten Blick klar, dass es hier viel zu tun gibt. Dankbar griff die Rektorin das Thema bei unserem ersten Treffen auf und gab zu, dass es sich dabei um ein vernachlässigtes Thema handelt. Ob ich nicht Lust hätte, mich der Sache anzunehmen?

Seitdem überlege ich. Will ich mir wirklich die Webseite einer Schule ans Bein binden, mich mit den Befindlichkeiten von Elternbeirat, Kollegium und Schülerschaft befassen? Will ich mich mit dem Landesdatenschutzgesetz auseinandersetzen und regelmäßige Inhaltspflege machen? Ich weiß nicht so Recht...

Um aber beim großen Gesamtproblem zu bleiben möchte ich hier noch ein Paar Punkte auflisten, die wir intern Wunschliste nennen. Was ist nötig, um den Datenschutz an Schulen zu verbessern?

  • Lehrkräfte sollten moderne und gut ausgestattete Arbeitsgeräte zur Verfügung gestellt bekommen. Diese Geräte müssen für das dezentrale und flexible Arbeiten ausgestattet sein.
  • Die Schulen sind beim Thema Datenschutz den Landesdatenschutzbeauftragten unterstellt. Diese Behörden sind aber chronisch überlastet und brauchen dringend zusätzliches Personal.
  • Fortbildungen für Lehrkräfte im Bereich Datenschutz und IT-Sicherheit müssen verpflichtend und regelmäßig abgehalten werden.
  • Budgets für Geräte und IT-Sicherheit sollten getrennt werden.

Bildung ist Ländersache. Das bedeutet, dass jedes Bundesland die Wunschliste einzeln umsetzen müsste. Das passt nicht zu den globalen Sicherheitslösungen und Kollaborationsplattformen, die den Datenschutz ermöglichen. Die Politik steht hier vor einer großen Herausforderung. Wir Eltern können das Thema voranbringen, indem wir die Schulleitung ansprechen und sensibilisieren. Nur so kann Druck aufgebaut werden. Die Schülerakten, Kontaktinformationen, Lese-Rechtschreibschwächen, Verweise und schlechten Noten unserer Kinder gehen außerhalb von Schule und Elternhaus niemanden etwas an.