DAGEGEN! Mit Kindern auf die Demo

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Politischer Aktivismus ist einer der Werte, die wir unseren Kindern mitgeben wollen. Ein Weg, um das zu vermitteln, ist es, Kinder mit auf Demos zu nehmen. Hier kommen unsere Erfahrungen.

DAGEGEN - Demoplakat für Kinder

Mama ist Feministin. Papa organisierte "Rock gegen Rechts" Konzerte. Der Gang zur Wahlurne ist für uns nicht nur Bürgerpflicht sondern eine willkommene Gelegenheit zur Teilnahme an unserer Demokratie. Politik ist ein fester Bestandteil unseres Alltags. Oft besprechen wir die Ereignisse des Tages am Esstisch. Manchmal hören die Kinder zu, manchmal nicht. Aber wenn unser Vierjähriger Fragen stellt, beantworten wir sie immer so gut und so kindgerecht, wie wir können.

Kindern Politik erklären

Dass die Rechten doof sind, hat unser Sohn verstanden. Wir haben ihm die Stolpersteine gezeigt und er hat auch verstanden, warum Mama immer Aufkleber im Geldbeutel hat. Sie kann es nämlich nicht aushalten, dass die Rechten in unserem Viertel ihre menschenverachtenden Parolen verbreiten und überklebt diese, sobald sie welche entdeckt.

Als PEGIDA in Augsburg eine Kundgebung plante, war klar, dass wir uns irgendwie an der Gegendemo beteiligen werden. Da das ganze am Abend stattfand, hat es sich so ergeben, dass der Sohn und ich gemeinsam in die Innenstadt geradelt sind.

Ich habe ihm erklärt, dass die Rechten sich treffen, um Quatsch zu reden. Da in seinem Kindergarten sehr viele Kinder aus anderen Ländern sind, konnte ich ihm Nationalismus anhand praktischer Beispiele erklären. Und dass die coolen Leute aus Augsburg sich treffen, um so viel Lärm zu machen, dass die Rechten ihren eigenen Quatsch nicht mehr verstehen, hat er ebenfalls gut verstanden. Das "Konzert" aus Trillerpfeifen, Musik, Ratschen und Trommeln, dass Augsburg da auf die Beine gestellt hat, fand er sehr beeindruckend. Wie cool, dass es manchmal total gut ist, laut zu sein!

Das Kind hat sich die Ohren zugehalten und mit großen Augen die vielen Menschen beobachtet und Fragen gestellt. Vor allem die Polizei, die ja eigentlich jede Demo begleitet, hat es ihm angetan. So sehr, dass er sich nach der letzten Demo (die gegen das Polizeiaufgabengesetz) sogar persönlich von einem Motorradpolizisten verabschiedet hat.

Bei der Anti PAG Demo hatte ich dann etwas Mühe, ihm Gewaltenteilung zu erklären. Und dass er mehrmals lautstark gefragt hat, wo denn diesmal die Bösen sind, hat mich auch etwas ins Schwitzen gebracht. Ich habe anschließend lange darüber nachgedacht, wie groß unser Einfluss als Eltern ist.

Kinder politisieren und instrumentalisieren

Bei den sonntäglichen Versammlungen der Pulse of Europe Bewegung wurden kleine Fähnchen mit der EU-Flagge verteilt. Unsere Kinder haben sie fleißig geschwenkt. Vor allem das gemeinsame Singen von "Freude schöner Götterfunken" hat den Großen sehr beeindruckt. Er hat immer wieder gefragt, wann das endlich wieder stattfindet. Sein Fähnchen hat er geliebt und tagelang überall hin mitgenommen. So wie übrigens auch seinen "Refugees Welcome" Aufkleber, der den ganzen Winter auf seiner dicken Jacke überlebt hat.

Wir glauben, dass wir ihm das richtige Fähnchen in die Hand gedrückt haben. Und dass wir ihm den richtigen Aufkleber auf die Jacke geklebt haben. Doch vermutlich denken das die Afd Mitglieder auch, wenn sie ihren Kindern die hellblauen Fahnen geben.

Gib Kindern ein Fähnchen und sie werden es lachend schwenken. Das ist mein Fazit von drei Demo-Teilnahmen bisher. Damit unsere Kinder nicht einfach nur uns Eltern hinterher laufen und Fähnchen schwingen, legen wir großen Wert darauf, ihnen zu erklären, worum es jeweils geht. Unserer Ansicht nach, ist das der beste Weg, um sie zu mündigen und engagierten Demokraten zu machen. Das Mitdenken und Meinung Bilden kann man vermutlich gar nicht früh genug lernen.

Kinder im Demozug - 5 Tipps

Kinder lieber im Kinderwagen, Leiterwagen oder Fahrradanhänger Transportieren

Ein paar Tipps für die Demo mit Kindern:

  1. Kundgebung oder Umzug? Informiert Euch, ob die Demo an einem Ort stattfindet oder ob eine Route gelaufen wird. Je nach dem Picknickdecke oder ein Transportgerät mitnehmen.
  2. Kinder transportieren: Kinder sind schnell überfordert in der Menschenmenge. Plant entsprechend ein, sie lange auf den Schultern zu tragen, oder nehmt Euch Tragehilfen, Kinderwägen und Fahrradanhänger mit.
  3. Gehörschutz: Wie laut die jeweilige Demo wird, weiß man vorab meistens nicht so genau. Zur Sicherheit würde ich so einen Ohrenschutz (wie auf der Baustelle) mitnehmen. Die Kleinen hören einfach noch viel intensiver als wir und sind vom Lärm schnell gestresst.
  4. Ein eigenes Schild: Kinder mit Schildern oder T-Shirts mit Sprüchen kommen gut an. Wir wurden oft angequatscht und viele Leute hatten ein freundliches Wort für meinen Sohn übrig. Das hat ihm sehr gefallen und er war mega stolz auf sein Plakat. Ich würde mir auf alle Fälle wieder die Mühe machen, ihm etwas zu basteln oder gemeinsam zu überlegen, wie man seine Meinung ausdrücken kann. Aber vorsicht. So ein Schild macht das Kind auch zum Fotomotiv, darüber sollte man sich im Klaren sein, denn unserer Erfahrung nach, wird auf Demos immer sehr viel fotografiert und im Netz gepostet.
  5. Proviant und Beschäftigung: Einerseits gibt es immer viel zu gucken. Bei den Demos in Augsburg gibt es oft lustige Teilnehmer mit großen Plakaten, Hüten, Figuren oder Musikinstrumenten. Doch vor allem, wenn Reden gehalten werden, wird es schnell fad. Dann helfen Proviant (oder der Sprung zur Eisdiele), Straßenmalkreide, Seifenblasen oder eigene Instrumente zum Krach machen.

Selbstverständlich muss stets abgewogen werden, ob die Teilnahme an einer Demonstration gefährlich werden könnte. Ich würde selbst auch eher nicht an nicht genehmigten Gegendemonstrationen teilnehmen. Genauso würde ich mich sofort entfernen, wenn die Situation unüberschaubar wird. Bisher war das nie der Fall, aber eine gewisse Wachsamkeit muss man natürlich an den Tag legen.