Die Anti­kapitalistinnen­quote

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Buchempfehlung: Das Millennial Manifest von Bianca Jankovska

Selten hatte ich so schiss vor einer Rezension, wie vor dieser hier. Zwar habe ich schon oft Bücher von Frauen besprochen, die ich wirklich bewundere, aber in diesen Büchern ging es immer um Dinge, Sachverhalte, Theorien. Bianca Jankovska schreibt über mich. Also über mein Leben. Wie es sein könnte. Wie es war.

Das Millennial Manifest von Bianca Jankovska

Das Millennial Manifest ist eine Bestandsaufnahme der Probleme unserer Generation. Dating, Arbeit, Freundschaften - hier geht es um die Lebensrealität der heute 20 bis 25-Jährigen. Und die werden auch angesprochen. Aber eigentlich ist das ein Buch, das man seinen Eltern schenkt, wenn sie wieder einmal fragen, wann man denn nun endlich Heirateteinhauskauftoderendlicheinenjobfindet.

Die verhassten Praktika, die prekären Arbeitsverhältnisse, die Vermischung von Beruf und Privatleben, die seltsamen Chefs und das Akzeptieren von schlechten Konditionen... Story of my Life. Ich musste viel Lehrgeld bezahlen, um mich aus dem Wirrwar von Selbständigkeit, Selbstüberschätzung, Naivität und Geldsorgen freizuschwimmen und bin dadurch eine der Frauen, die Bianca Jankovska bemitleidet: Jahre damit verbringen, sich durchzubeißen - dahin, wo Männer oft schon ganz automatisch stehen.

Wie schreibe ich also über ein Buch, das von mir selbst handelt? Nun, mittlerweile lebe ich in anderen, besseren Verhältnissen. Ich habe inneren Abstand zu der Lisa von vor 5 Jahren. Ich habe das neulich auch schon mal beschrieben, als es um selbständige Frauen ging. Und trotzdem triggern mich die Erlebnisse, die im Millennial Manifest beschrieben werden.

Die Autorin, im Netz unter dem Pseudonym Groschenphilosophin bekannt, zeigt selbst erlebte Misstände auf. Dabei setzt sie diese in einen gesellschaftlichen Rahmen und macht sie dem Leser klar: Deine individuellen Probleme sind eigentlich strukturelle Probleme. Diese Erkenntnis löst jetzt nicht unbedingt aktuelle Lebenskrisen, kann aber unglaublich entlastend sein. Zu verstehen, dass andere mit den gleichen Problemen kämpfen nimmt Druck von der eigenen Situation. Und ohne Druck vergrößert sich der Handlungsspielraum.

Bianca Jankovska, Autorin des Millennial Manifest, Foto: Melanie Ziggel

Bianca Jankovska, Autorin des Millennial Manifest, Foto: Melanie Ziggel

Und die Probleme mit denen wir uns konfrontiert sehen, sind nun einmal ganz andere, also die Probleme der Genrationen vor uns. Deshalb können wir auch kaum Hilfe erwarten. Höchstens Verständnis.

Was im Großen die schlecht bezahlten Praktika und die Erwartung der permanenten Verfügbarkeit sind, sind im kleinen die Ex-Affären, die uns bei jedem Login auf LinkedIn vorgeschlagen werden und der Mindfuck, wenn man auf Facebook eine Frage stellt und als Antwort ein Herz auf Instagram bekommt.

Ich mag sehr, wie Bianca unseren Alltag beobachtet. Ich mag ihre Instagram Rants über die Innenausstattungs-Ideen von Westwing und ich bin tief beeindruckt davon, wie sie sich ihren Platz als freischaffende Autorin erkämpft. Ja, ich bin Fan. Und ich unterstütze ihre Arbeit auf Steady. Das ist eine Plattform, auf der man Personen, Projekte und Medien mit Kleinstbeträgen fördern kann. Wenn viele Leute wenig geben, dann bewirkt das was. In Biancas Fall ein Essay pro Monat und einen kuratierten Newsletter. Schaut Euch das mal an.

Das Millennial Manifest von Bianca Jankovska

Das Buch "Millennial Manifest" von Bianca Jankovska ist bei Rohwolt erschienen und kostet 10,00€. Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung eines kostenfreien Rezensionsexemplares.

Wer dem Link im Text folgt, gelangt zu Buch7, einem Augsburger Onlineshop für Bücher, der einen Teil seines Gewinns spendet. Am liebsten wäre es mir aber, wenn Ihr dieses Kinderbuch beim Buchhändler Eures Vertrauens kauft. Ich erhalte für diesen Artikel kein Geld und - abgesehen von dem Buch - keine Gegenleistung. Dieser Blog ist werbefrei.