Elternratgeber: Am Ende meiner Nerven sind noch Kinder übrig (mit Autorinnen-Interview)

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Elternratgeber Einsteigerbuch. Ein praktischer Ratgeber für stressige Familiensituationen - Sabrina Heinke vom Elternblog Mamahoch2 gibt lebensnahe Tipps.

Von 'genial!' bis 'hä?' hat dieser Erziehungsratgeber eine breite Palette an Emotionen in mir ausgelöst. Deshalb habe ich die Chance genutzt, der Autorin Sabrina Heinke ein paar Fragen zu ihrem Buch zu stellen: Am Ende meiner Nerven sind noch Kinder übrig.

Am Ende meiner Nerven sind noch Kinder übrig - Sabrina Heinke

Das Buch ist eigentlich weniger ein Erziehungsratgeber, als ein Mütterratgeber. Sabrina Heinke nimmt ganz bewusst und sehr intensiv die Position der Mutterrolle ein. Sie versteht die Nöte, den Stress und die Anspannung, die wir alle jeden Tag erleben. Dabei verschwendet sie keine Zeit mit feministischen Theorien, sondern packt den Alltag mit Kindern beim hässlichen verschwitzten Schopf. Sie legt den Finger in die Wunde: Fehlende Zeit als Paar, das ewige Geschrei und der Kampf beim Zähneputzen. Die Bloggerin nimmt schonungslos die anstrengendsten Momente der Mutterschaft unter die Lupe und schlägt Änderungen vor. Hier mal ruhig durchatmen, da gezielt eine Pause einplanen, dort ein kleine Spielchen machen und schon flutscht der Alttag wieder.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, doch das behauptet die Autorin auch nicht. Ganz bewusst geht sie immer wieder darauf ein, dass ihre Tipps nur Ideen sind. Einladungen, anstrengende Situation einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Nach meinen fünfeinhalb Jahren als Mutter und zwei Erziehungsberatungen kann ich bestätigen, dass das oft der Knackpunkt ist. man muss es irgendwie schaffen, das große Ganze zu sehen. Wenn man sich dabei noch der eigenen Gefühle und Erwartungen bewusst wird, dann ist dadurch oft schon ein Ausweg möglich.

Textauszug: Am Ende meiner Nerven sind noch Kinder übrig - Sabrina Heinke

Mütter im Fokus

Sabrina Heinke berichtet ganz offen davon, wie sie selbst früher eine ungeduldige und oft laute Mutter war. Sie hat an sich gearbeitet und wir, die Leserinnen, wir können das auch schaffen. An manchen Stellen ist mir der Tonfall zu nah an Erwecksungsliteratur. Aber im Kern hat sie recht. Mit kleinen Schritten, die man selbst geht, kann man in der Erziehung der Kinder und im Alltag mit ihnen sehr viel bewirken.

Was mir dieses Buch wieder ganz deutlich vor Augen geführt hat ist die Tatsache, dass es darum geht, dass wir Eltern selbst mit uns im Reinen sind, dass wir klar sehen und in der Lage sind, einen Schritt zurück zu treten und von Außen auf unsere Familie zu blicken. Dafür möchte ich mich bei der Autorin bedanken.

Am Ende meiner Nerven sind noch Kinder übrig - der Inhalt

Bevor wir zum Interview kommen, möchte ich noch kurz umreißen, welche Themen in Am Ende meiner Nerven sind noch Kinder übrig behandelt werden.

  • Gesellschaftsdruck auf Wiedersehen!
  • Dein entspanner Familien-Verhaltenskodex
  • Die Warums in der Erziehung
  • Grundsätzliche Familienmissverständnisse
  • Entspannter durch den Familienalltag - Probleme und Lösungen
    • Der Start in den Tag
    • Der Umgang mit Morgenmuffeln
    • Das entspannte Badezimmerprogramm
    • Vom unausweichlichen "Zähneputzenmüssen"
    • Medienkonsum
    • Kinder allein zu Hause lassen
    • Kinderzimmer aufräumen - Das Chaos kennt keine Gnade
    • Unterwegs mit Kindern
    • Quality Time mit Kindern
    • Müde bin ich, geh zur Ruh...
    • Haustiere, Anziehen, Vereine und Kurse
  • Hallo Entspannung
  • Warum lohnt es sich umzudenken und wie Du am Ball bleibst
  • Meine zehn Schlüssel für eine Entspannte Erziehung
  • Jetzt bist Du dran - Praktische Helfer für dich

Was mir beim Lesen deutlich aufgefallen ist, ist dass der Papa eigentlich kaum vorkommt. Er ist eher ein weiterer Programmpunkt, den man mit Paarabend und Kerzenschein irgendwie auch noch abhaken muss. Auch wenn bei diesem Buch die Mütter ganz klar im Vordergrund stehen, spielt er im Alltag dennoch eine Rolle. Wer meinen Blog schon länger ließt merkt, dass ich auf solche Dinge achte, denn Elternschaft ist für mich Teamarbeit. Andererseits fühle ich mich schon auch ein wenig geschmeichelt, dass sich jemand so ausführlich mit meinen täglichen Kriesen beschäftigt und bin versöhnt.

Mamahoch2 Bloggerin Sabrina Heinke im Interview

Nun, sehen wir mal, wie Sabrina das sieht:

meetshaus: Dein Blog Mamahoch2 ist mir vor allem als Bastelblog aufgefallen. Mit Tutorials, Schnittmustern und kreativen Ideen. Wie war es für Dich, nun einen Erziehungsratgeber zu schreiben? Und wie kam es dazu?

Sabrina Heinke: Stimmt, einer der Schwerpunkte von Mamahoch2 ist die Kreativsparte. Dennoch dreht sich ein großer Teil unserer Seite schon immer um das Thema Erziehung und unsere Erfahrungen im Alltag als Mutter. Treue Leser wissen, dass mir die Rubrik Erziehungsalltag schon immer sehr am Herzen lag und ich es nach wie vor liebe hin und wieder aus unserem Alltag zu berichten. Ich beschäftigte mich privat schon mehrere Jahre mit dem Versuch weg von "der Meckerziege" zu kommen und berichtete vor allem auf meinem Instagram Account über dieses Projekt. Es fand viel Anklang und so war auch die Idee für das Buch geboren: Wie wäre es, wenn mal nicht der Herr Professor schreibt, sondern eine ganz normale Mutter, mit alltäglichen Sorgen? Ich bin also bewusst und aktiv mit der Idee auf den Verlag zugegangen.

mh: Dein Buch enthält sehr viele Anekdoten und Du erzählst auch sehr offen von deinen eigenen Fehlern in der Erziehung. Sind die Texte eine Sammlung aus Deinem Blog und den Kommentaren Deiner Leserinnen oder hast Du Dich in das Thema Erziehung noch einmal ganz neu eingearbeitet?

SH: Die Texte aus dem Buch sind kein Sammelwerk meiner Blogbeiträge. Dafür findet man aber auf dem Blog viele andere Beiträge zu dem Thema. Es ist vielmehr eine tiefergreifende Ergänzung dazu, oder vielleicht ein Fazit meiner Beiträge. Ich hatte die Ideen über einen längeren Zeitraum bereits notiert, noch bevor ich überhaupt den Verlag kontaktiert habe. Einige Situationen habe ich sicherlich so oder so ähnlich bereits auf meinen Social Media Kanälen thematisiert oder sie wurden von Lesern an mich herangetragen. Die meisten Zuschriften waren: "Warum wirkst du mit 3 Kindern immer so fröhlich und entspannt?". Das brachte mich zum Nachdenken und war ebenfalls einer der Gründe, warum ich mich entschied tiefer in das Thema einzusteigen.

Zu der Frage, ob ich mich neu eingearbeitet habe, würde ich es wie folgt beantworten: Ich lebe den Umgang hier täglich und es ist meine Haltung / Überzeugung gegenüber meiner Familie und Mitmenschen. Ich habe im Buch also das aufgegriffen, wofür ich als Person stehe. Sicherlich bin ich zu meiner Denkweise und Ansicht nicht durch Zufall gekommen. Ich bin in den Genuss einer gewaltfreien, respektvollen Erziehung als Kind gekommen und habe aus eigenem Interesse heraus schon immer tiefergehend mit Brennpunktthemen, wie z.B. Machtkämpfe, Gerechtigkeit innerhalb der Familie, eigene Trigger und Stressbewältigung gelesen.

mh: Mir persönlich ist der Zugang zu Deinem Buch ein wenig schwergefallen, weil es so ein rasanter Ritt durch die Themen und die Probleme von Müttern ist. Mich interessiert, welche Zielgruppe Du beim Schreiben im Kopf hattest.

SH: Es richtet sich an Mütter, wie mich damals. Ich war verzweifelt. Ich wusste, dass ich eine nette Mutter sein wollte. Ich wusste auch, dass ich viel zu oft die Nerven verloren habe und ich ärgerte mich später darüber, dass ich laut wurde. Ich wusste, dass das ungerecht war und doch fiel es mir eine zeitlang so endlos schwer einen Weg zu sehen. Ich war von den vielen, verschiedenen Erziehungsstilen überfordert. Es fühlte sich alles nicht so richtig an und ich konnte nur benennen, dass der Ist-Zustand in meinen Augen klar falsch war und ich den Wunsch nach Harmonie und Gleichwürdigkeit verspürte. Ja, und der Rest steht ja im Buch ;-)

mh: Gab es ein Kapitel, das Dir besonders schwergefallen ist und warum? Gab es ein besonders leichtes?

SH: Schwer gefallen ist mir ehrlich gesagt der Schwiegermutterabschnitt. Es fühlte sich wie eine Gradwanderung an, weil ich weiß, wie verhärtet die Fronten sein können und auch, dass es nicht immer ganz so einfach ist neutral zu bleiben. Ich denke, dass ich das Buch damit auch ein wenig für mich geschrieben habe.

Besonders leicht fiel mir eigentlich das gesamte Thema rund um Machtkampf und wie wir es immer wieder schaffen das Kind zum Problem zu machen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es so einfach ist, die Schuld von sich zu weisen und laut zu sagen: "Das Kind hört einfach nicht." Und so einfach, wie man sich das sagt, so sehr weiß man auch, dass man die Verantwortung nicht so einfach wegschieben kann.

mh: Kannst Du von den Reaktionen Deiner Leserinnen auf das Buch berichten?

SH: Ich frage in meiner Facebookgruppe regelmäßig offen nach Feedback und erhalte davon ab auch einige private Zuschriften. Das Hauptfeedback ist, dass ich mit meinen Passagen Gefühle wie Wut, Trauer oder auch Reue hervorrufe. Eine besonders schöne Nachricht war, als mir eine Leserin schrieb: "Ich war so wütend auf dich, bis ich merkte, dass ich auf mich wütend bin." Ich glaube die Tatsache, dass ich bereit war aus meiner Perspektive zu schreiben und die Hosen sprichwörtlich runter zu lassen, war eine gute Entscheidung. Ich wollte bewusst keinen "Man macht das so und so" Ratgeber, sondern vielmehr einen "Schau her, war blöd, aber vielleicht versuchst du mal xy Ratgeber".

Ich bedanke mich bei Sabrina Heinke für ihre Zeit und die Beantwortung meiner Fragen.

Eltern-Ratgeber: Am Ende meiner Nerven sind noch Kinder übrig

Das Buch "Am Ende meiner Nerven sind noch Kinder übrig" von Sabrina Heinke ist bei humboldt erschienen und kostet 19,99€. Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung eines kostenfreien Rezensionsexemplares.

Ebenfalls in dieser Reihe erschienen sind die Ratgeber

  • Alle Antennen auf Empfang von Mira Mondstein und Deva Wallow (Hochsensibilität)
  • So rede ich richtig mit dem Kind von Doris Heueck-Mauß (Vor- und Grundschulalter)
  • Das Trotzkopfalter von Doris Heueck-Mauß (Wutausbrüche)
  • Stressfreie Grundschuljahre  von Doris Heueck-Mauß
  • Babys brauchen Musik von Ulla Nedebock
  • Babys brauchen Bewegung von Ulla Nedebock
  • Kinder brauchen Rituale von Melanie Gräßer und Eike Hovermann
  • Familie Ordentlich von Nicole Weiß
  • Kinder achtsam erziehen von Alexandra Karr-Meng - Meine Rezension hier lesen
  • Starke Kinder brauchen Regeln von Ulla Nedebock

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