Familie Autofrei - Folge 1

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Seit 3 Monaten leben wir ohne Auto. Zeit, für eine erste Zusammenfassung. Spolier: Im Sommer ist alles einfach.

Autofreie Familie: FotoalbumAuf Facebook habe ich unseren Alltag als autofreie Familie dokumentiert (Link zum öffentlichen Fotoalbum). Meine Beiträge dort bekommen zwar kaum likes, doch ich werde ständig von Freunden angesprochen, die meine Dokumentation verfolgen. Sie stellen Detailfragen, wollen wissen, wie das Carsharing funktioniert und warum es mir so schwer gefallen ist, mit dem Lastenrad zu fahren... Wie auch immer - das Interesse ist da. Deshalb habe ich beschlossen, das Thema auch im Blog aufzugreifen und ein bisschen ausführlicher zu Berichten.

Warum leben wir als Familie ohne Auto?

Mein Mann hat in unsere Ehe ein sehr schönes Auto eingebracht. Der graue Nissan Almera war nicht zu klein und nicht zu groß, war gut in Schuss und für unsere Bedürfnisse Ideal. Das Auto war abbezahlt und stand zur Verfügung. Also nutzten wir es.

Doch mit den Kindern wurde es plötzlich eng. Die Babyschale passte noch recht gut auf die Rückbank. Beim vorwärtsgerichteten Kindersitz wurde es plötzlich eng: Das Kind stieß mit den Beinen an die Rücklehne des Vordersitzes. Nach vorne stellen ging irgendwann nicht mehr, denn wenn der Beifahrer die Knie neben den Ohren hat, ist das alles andere als sicher.

Als dann auch das zweite Kind nach vorne schaue beim Autofahren (Reboarder hätten wir gerne gekauft, passten aber nicht hinein) und ebenfalls mit den Füßen anstieß war klar: Das Auto macht für uns keinen Sinn mehr. Mann kann keine langen Strecken fahren, wenn alle genervt sind. Die Kinder von der mangelnden Bewegungsfreiheit und die Erwachsenen von den Tritten in den Rücken. Uch die fehlende Klimaanlage hatte uns (und vor allem den Kindern) bei einige Fahrten sehr zu schaffen gemacht.

Als der TÜV fällig wurde, musste eine Entscheidung her. Den TÜV samt kleinerer Reparaturen zu bezahlen, machte für uns keinen Sinn. Die Frage war: Kaufen wir ein neues Auto oder probieren wir es ohne?

SpaziergangVor allem meinem Mann fiel der Abschied vom Auto-Haben schwer. Er war auf dem Land aufgewachsen und das Auto bedeutete für ihn Freiheit. Er hatte immer eines besessen. Doch tatsächlich nutzte er es selbst kaum noch. Seinen Arbeitsweg macht er schon seit ich ihn kenne zu Fuß und auch die Einkäufe werden in Laufnähe erledigt. Blieben eigentlich nur noch die Urlaube und die Besuche bei den Omas.

Doch dann machten wir eine Entdeckung, die uns die Entscheidung plötzlich ganz leicht machte: Auf dem Nachbargrundstück wurde ein Stellplatz für Carsharing-Autos eingerichtet.

Familienalltag mit Carsharing

Nun sind wir also eine Carsharing Familie. Regelmäßig reservieren wir eines der Autos, die bei uns quasi hinterm Haus stehen und machen damit Ausflüge oder Besuchen die Familie. Wir sind auch schon mit der Bahn gefahren. Aber in der Regel benötigen wir ein Auto, da unsere Omas beide nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Leider!

Meistens machen wir es so, dass einer das Auto holt und bei uns vor dem Haus parkt, dann werden die Kindersitze eingeladen und das Gepäck verstaut. Und dann fahren wir los.

Das Problem ist, dass man das Auto nicht zusammen mit den Kindern vom Stellplatz holen kann, weil man nicht zwei Kinder und zwei Autositze zum Fahrzeug tragen kann. Das ist logistisch unmöglich weil die Kindersitze so groß sind. Das bedeutet, dass wir auf die Unterstützung der Nachbarn angewiesen sind, wenn einer von uns mit den Kindern alleine ist und das Auto braucht. Das ist ungünstig, lässt sich aber mit einer guten Nachbarschaftspflege lösen.

Der Vorteil für uns ist, dass wir nun mit Fahrzeugen fahren, die wir uns nie hätten leisten können. Wir genießen die Klimaanlage, schätzen den hohen Sicherheitsstandard und freuen uns über die paar extra PS, die in manchen Situationen einfach hilfreich sind. Außerdem ist es sehr angenehm, in einem Wagen über die Autobahn zu sausen, in dem ein funktionierender CD-Spieler eingebaut ist. Darauf mussten wir seit dem Besuch an dem portugiesischen Strand mit dem extra feinen Sand nämlich auch verzichten...

Bahnfahrt mit KindEs nervt manchmal, dass man nicht intuitiv weiß, in welche Richtung man das Rädchen drehen muss, um den Heckscheibenwischer anzuschalten. Und manchmal komme ich mit den Gängen durcheinander, weil ich noch nicht so häufig 6-Gang-Getriebe gefahren bin. Aber wenn man das als Gehirnjogging sieht, ist es auch wieder ok.

Andere Fortbewegungsmittel

Doch natürlich nutzen wir nicht nur das Carsharing. Mein Mann bestreitet seinen Arbeitsweg zu Fuß, ich mit dem Rad. Bei schlechtem Wetter bekommt mein Mann den geilen großen Schirm und ich steige auf die Tram um. kleinere Besorgungen mit den Kindern mache ich mit Kinderwagen und BuggyBoard. Unser Großer lernt gerade Radfahren. Bisher konnten wir uns tageweise ein Lastenrad ausleihen. Wir hoffen, bald selbst eines zu besitzen. Daran arbeiten wir gerade. Das werden wir dann demnächst mal erzählen.

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