Familie Autofrei - Folge 3: Lastenrad

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9 Monate ohne eigenes Auto. Doch jetzt haben wir wieder einen eigenen fahrbaren Untersatz, das Lastenrad. Und eingeweiht wurde es auch schon - mit einem Überschlag.

Unser neues Familienmitglied ist mattschwarz und hat 500 Watt im Bauch. Es hat einen eingebauten Neigemechanismus, kann aber nicht umkippen. Und es sorgt für jede Menge Aufsehen. Die Kinder haben es Pipi Langstrumpf getauft, obwohl es einen Bart hat.

Als mein Mann das Lastenrad vom Händler abgeholt hat, erklärt er mir: "Lisa, ab jetzt dauert alles länger." Das klingt erstmal seltsam, da wir ja mit einem starken Elektroantrieb deutlich zackiger unterwegs sind. Doch er hat recht. Ständig werden wir angesprochen, sollen erklären, wie das "lustige Ding" funktioniert, was es kostet und warum wir unsere Kinder damit transportieren.

Unser Lastenrad, das MK1 von Butcher's & Bicycles

Butchers & Bicycles MK1 schwarz

Eigentlich haben wir uns nicht für dieses Modell entschieden. Eigentlich war es Liebe auf den ersten Blick. Und zwar zwischen meinem Mann und dem Lastenrad. Natürlich recherchiert man dann noch ein bisschen rum und klickt ein paar Testberichte an, liest dann aber nur die positiven auch bis zum Ende... Jedenfalls war immer klar, dass es ein MK1 sein soll. Wir hatten dieses Lastenrad einfach schon so richtig eingefahren, weil wir es regelmäßig ausgeliehen haben.

BUTCHERS & BICYCLES

Da mein Mann viele Jahre lang gar nicht Fahrrad gefahren ist, war ich froh, dass er nun doch wieder in die Pedale trat. Da war es fast zweitrangig in welche. Dass er sich in das coolste Gefährt zwischen hier und dem Nordpol verliebt, sollte mir Recht sein.

Wie fährt sich das MK1 von Butcher's & Bicycles?

Das Fahrverhalten ist.... eigenartig. Die Neigung in den Kurven ist das Alleinstellungsmerkmal von Butchers & Bicycles. Die Kinder sagen, Fahrradfahren mit Pipi Langstrumpf sei wie Fliegen, weil sie vorne durch die Plastiktür gucken können und sich herrlich in die Kurven legen. Oft jauchzt unsere kleine Frida sogar so laut, dass die Fußgänger verwundert stehen bleiben. Als Fahrer muss man sich erstmal an diese völlig andere Art der Lenkung gewöhnen und austesten, wie schnell man in die Kurve gehen kann, ohne dass das Hinterrad ausbricht.

Was viel Übung erfordert, ist das Langsamfahren. Mit einem normalen Rad kann man balancieren und an der Ampel vielleicht sogar mal stehen bleiben ohne sich abzustützen. Wenn das MK1 in eine Richtung schwankt, dann kippen gleich mal 50 Kilo hinterher. Der Effekt, der auf der Straße für eine stabile Lage sorgt, macht einem das Losfahren, Langsamfahren und Rangieren schwer. Das kann man aber üben. Und dann macht es richtig Spaß!

MK1 von Butchers & Bicycles im Schnee

Für uns ist das Lastenrad ein Autoersatz. Nicht nur im Hinblick auf den Alltag und die Strecken, die wir als Familie zu bewältigen haben. Auch im Hinblick auf die Kosten kommt das MK1 durchaus an einen mittelprächtigen Kleinwagen heran (seufz). Jedoch sind da natürlich auch Teile wie bei einem Auto verbaut. Zum Beispiel die Hydraulikbremsen. Ja, die sind geil. Und wirklich stark. So stark, dass ich mich glatt überschlagen habe. Rad, Kind und Mama haben den Überschlag sehr glimpflich überstanden. Wir haben eben jetzt eine Pipi Langstrumpf mit Kratzern. Aber das passt ja auch irgendwie.

Ohne Auto, aber mit Lastenrad. Wie geht das?

Mit dem MK1 genießen wir die Vorzüge des Stadtlebens mit Auto, nur eben ohne Auto. Unser Radius hat sich stark vergrößert, so dass wir nun mit sehr wenig Aufwand in die Naherholungsgebiete kommen - und dort dann nicht mal nach einem Parkplatz suchen müssen.

Das Abstellen des Fahrrads ist jedoch fast aufwändiger als das Abstellen eines Autos. So wird zunächst die Box aufgebockt, dann die Bremse am Lenker festgestellt und zum Schluss das Schloss arretiert. Dann müssen die Kinder abgeschnallt werden. Frida, unsere Kleine, schafft es mit ihren knapp zwei Jahren noch nicht allein aus der Box heraus. Vor allem jetzt im Winter, wo die Kids stets superdick angezogen und entsprechend unbeweglich sind, muss man ganz schön zupacken, bis jedes dort sitzt, wo es soll.

Ladung können wir nur transportieren, wenn die Kinder nicht dabei sind. Körbe und Taschen stören sich mit den Kinderfüßen. Deshalb werden wir demnächst einen Gepäckträger und einen Fahrradkorb montieren lassen. Dort können wir dann bequem die Rucksäcke und Taschen abstellen.

Was tut sich sonst so im autofreien Familienleben?

Carsharing nutzen wir nach wie vor. Zwei bis drei Buchungen haben wir meistens auf unserer Monatsabrechnung. Das sind dann die Besuche bei den Omas. Die erreichen wir nämlich beim besten Willen nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Straßenbahn und Bus haben wir in den vergangenen Monaten auch ein paar mal genutzt, einmal bin ich sogar Taxi gefahren.

Wir haben es aber aufgegeben unsere Transportkosten aufzurechnen und mit den Kosten für ein Auto zu vergleichen. Das ist uns zu viel Arbeit und mittlerweile ist das Geld auch nicht mehr entscheidend. Zumal ja so ein Auto auch nicht das Maß aller Dinge ist. Wir sind glücklich mit unseren alternativen Fortbewegungsmitteln und -Methoden und ein bisschen stolz darauf, eine Familie ohne eigenes Auto zu sein.

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