Geborgene Kinder

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Attachement Parenting ist mal wieder in aller Munde, weil Kritiker behaupten, es lauge die Eltern aus. Susanne Mierau erklärt in ihrem Buch "Geborgen Wachsen", warum ein bindungsorientierter Erziehungsstil für die gesamte Familie gut ist.

Elternratgeber Geborgen Wachsen von Susanne MierauJemand erzählte mir, dass er in der Bibliothek stets die Bücher auswählt, die am meisten kaputt und zerlesen aussehen. Für ihn ist das ein Gütesiegel. Geht man danach, ist "Geborgen Wachsen" von Susanne Mierau ein absolutes „must read“ für Eltern. Ich allein habe es geschafft, das Buch fast kaputt zu lesen. Da sind die Eselsohren und Anmerkungen, die ich für die Rezension gemacht habe. Dazu kommt der arg verwurstelte Buchrücken, der durch das häufige Auf- und Zuschlagen entstanden ist, weil ich im Familienalltag nur kurze Zeitfenster zum Lesen habe. Deshalb schleppe ich die Geborgene Kindheit auch stets in der Handtasche mit mir herum. Und einmal ist es mir fast in die Badewanne gefallen.

Ihr seht: Ich habe dieses Buch wirklich durchgeackert. Und das mit Freude und Spannung.

Susanne Mierau hat hier einen Überblick über bindungsorientierte Erziehung (englisch: attachment parenting) vorgelegt. Er ermöglicht uns eine Orientierung für das Zusammenleben mit Kindern. Sie behandelt in den Kapiteln folgende Themen:

  • Was ist Bindung und wie entsteht sie?
  • Geburt 
  • Signale des Kindes verstehen und beantworten 
  • Schlafen
  • Essen
  • Körperpflege 
  • Verwöhnen und erziehen
  • Wie geht es den Eltern?

Geborgener Schlaf

Wer meine Artikel und Posts schon länger verfolgt, weiß, dass der Kinderschlaf bei uns ein großes Thema ist (siehe auch Nervenaufreibende Einschlafprobleme). Deshalb habe ich das entsprechende Kapitel mit besonders großem Interesse gelesen. Neben verschiedenen schlauen Hinweisen und Erkenntnissen ist mir vor allem ein Aspekt im Gedächtnis geblieben, und das ist die Erwartung des Feierabends.

Susanne Mierau schreibt, dass viele Eltern den Schlaf der Kinder vor allem deshalb herbei sehnen, weil die kinderfreie Zeit so überhöht ist. Das kommt daher, dass wir uns den ganzen Tag darauf freuen endlich (so wie früher) etwas in Ruhe machen zu können. Egal ob es sich dabei um ein Vollbad oder die Steuererklärung handelt.

Ich gehöre genau zu diesen Eltern und war deshalb besonders gespannt auf Ihren Lösungsansatz: Die Dinge, die zu erledigen sind, in den Alltag einbinden.

Ehrlich gesagt, bin ich darauf nicht selbst gekommen. Natürlich wird hier der Haushalt tagsüber erledigt. Die Kinder "helfen" mit oder spielen für sich. Aber ich habe noch nie versucht, mich an den Rechner zu setzen. Ich kann mir schon vorstellen, dass die beiden damit klar kommen, wenn ich den Brief an den Vermieter in meine Briefvorlage tippe und ausdrucke. Um nur ein Beispiel zu nennen. Das dauert realistisch gesehen vielleicht 11 Minuten. Wahrscheinlich ist der Computer erstmal ziemlich spannend, aber das lässt mit der Zeit sicher auch nach. 

Doch das bezieht sich ja nicht nur auf Erledigungen. Auch Entspannung kann passieren, während die Kinder da sind. Die Tasse Kaffee in Ruhe ("Mama hat jetzt Pause!") gönne ich mir bereits jetzt schon an den meisten Tagen. Und Susanne Mierau hat mich nun noch mal bestätigt darin, mich einfach auch mal rauszunehmen.

Wenn ich das noch mehr beherzige, könnte ich entspannter vom Alltag in die Vorlesephase und den Erzählmodus wechseln und damit dem quirligen Vierjährigen den Weg in den Schlaf erleichtern. Für mich war das eine ganz konkrete Maßnahme, die ich im Alltag umsetzen will. Andere Eltern finden sicher in anderen Kapiteln Hilfe.

Über Susanne Mierau

Susanne und ihr Mann Caspar geben auf ihren Blogs und auf verschiedenen Social Media Accounts Einblick in ihr Familienleben. Das ist für die Leser vor allem deshalb interessant, weil Susanne ausgebildete Kleinkindpädagogin ist und dadurch viele Konfliktsituationen gut erklären kann. Wir haben ihr nicht nur die Idee, unsere Tochter zu pucken, zu verdanken, sondern auch unser Familienbett nach der Anleitung der Mieraus gebaut. Insofern fühle ich eine gewisse Verbundenheit mit der Familie Mierau. Vor kurzem ist hier im Blog auch meine Rezension zum Booklet "Was du alles nicht brauchst für dein Baby" erschienen.

Dass Susanne Mierau Bloggerin ist, merkt man dem Buch an. Sie achtet sehr genau auf ihre Worte und schreibt dadurch sehr inklusiv. Stets werden Eltern und andere Betreuungspersonen erwähnt und mitgedacht. In Mieraus Ansatz liegt eben nicht die ganze Last allein auf den Schultern der Mutter. Auch ihre Empfehlungen zum Benutzen, bzw. Weglassen des Kinderwagens, zum Wickeln vs. Windelfrei und ihre Gedanken zum Thema Kaiserschnitt sind stets so formuliert, dass alle sich angesprochen sind. So nimmt sie bei vielen Konfliktthemen von Anfang an den Druck heraus und man kann sich wirklich auf die Kernaussagen formulieren.

Ich vermute, dass diese Art zu schreiben daher kommt, dass Mieraus andere Texte meist im Internet stehen und dort auch häufig kommentiert und debattiert werden. Aus der Erfahrung weiß ich, dass man sofort eines auf den Deckel bekommt, wenn man unbedacht formuliert und dadurch Rollenklischees festigt oder Randgruppen ausschließt.

Davon abgesehen ist Susanne Mierau nicht nur Autorin und Bloggerin, sondern auch Gesprächspartner. Man kann sie über verschiedene Kanäle direkt anschreiben und ansprechen und sie beantwortet so auch Fragen. Dieser direkte Kontakt mit den Menschen, die mich inspirieren, ist für mich einer von vielen außergewöhnlichen Vorteilen unserer Zeit. Vielen Dank dafür!

Das Buch "Geborgen Wachsen" von Susanne Mierau ist bei Kösel erschienen und kostet 16,99€. Wir danken dem Verlag für die Bereitstellung eines kostenfreien Rezensionsexemplares.

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