Geschlechtertrennung im Kinderzimmer

Bisher hatte ich mich mit der rosa hellblau Thematik nur theoretisch auseinandergesetzt. Doch als ich letztens in einem Spielzeugladen war, traf mich fast der Schlag. Es gab eine hellblaue und eine rosarote Wand.

rosa Kinderkleidung & hellblau KinderkleidungGeschlechtsbestimmung via Ultraschall

Wir haben uns während der Schwangerschaft gegen die Suche nach einem Penis entschieden. Der Hauptgrund war, dass wir uns dieser "Vorsortierung" nicht aussetzen wollten. Sobald wir das Geschlecht verraten hätten, hätte es hellblaue Bodys oder rosa Kleidchen geregnet. Das wollten wir nicht. Und auch die nervige Frage "Was wird es denn, ein Junge oder ein Mädchen?" wollten wir von Anfang an abschmettern. Ist es denn wirklich so entscheidend, mit welchem Geschlechtsteil das Baby auf die Welt kommt? Wir waren überzeugt davon, dass es egal ist.

Und doch hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, es würde ein Junge werden. Und mein Gefühl war richtig.maennlich

Ein anderer Grund, aus dem wir uns gegen die Geschlechtsbestimmung entschieden hatten, war, dass im Bekanntenkreis so viele "Fehlurteile" vorgekommen waren.

Die einen hatten nach zwei Mädchen einen Jungen erwartet und sich darauf eingestellt. Beim letzten Ultraschall stand plötzlich fest, dass es noch ein Mädchen sein wird. Als Außenstehender mag man das lustig finden. Aber die Mutter stürzte das in große Verunsicherung und Verwirrung - Gefühle, die man so kurz vor der Entbindung nicht unbedingt gebrauchen kann.

In unserer Familie erwartete ein Pärchen Zwillinge - zwei Jungs, wie man ihnen mehrfach versichert hatte. Bei der Geburt stellte sich heraus, dass einer der Jungen ein Mädchen ist. So hatten es sich die beiden ursprünglich auch gewünscht. Doch in den ersten Tagen nach der Geburt hatte die Mutter oft das Gefühl, dass ein Kind - der zweite Junge - fehlen würde. Das war nicht schön für sie.

Darüber hinaus haben wir die komplette Babyausstattung bis Größe 74 von Familien aus dem Bekanntenkreis geschenkt bekommen. Wir haben also in den ersten Monaten ohnehin nichts gekauft und beschlossen, dass wir einfach das anziehen, was wir ohnehin haben - scheiß auf die Farbe.

Doch selbst jetzt, da wir mit unserem einjährigen Sohn in dunkelblau-grünem Outfit in der Stadt unterwegs sind, wird er ständig für ein Mädchen gehalten: "Mag sie noch a Radl Wurscht?".

Geschlechtsneutrale Spielsachen

Obwohl wir die Familie auf eine weitgehend geschlechtsneutrale Erziehung eingeschworen haben, bekommen wir hauptsächlich Autos und Bagger geschenkt - sei es nun als Spielzeug oder als Aufdruck auf der Kleidung. Auf einer Hose steht sogar "Only for Boys". Wir haben jetzt dafür gesorgt, dass das Kind den alten Spielzeugherd meiner Schwester bekommt und dazu ein neues Topfset. Außerdem versuche ich ihn schon früh an das Malen (mit Wachsmalkreiden) heranzuführen. Ansonsten mag er Klettern sehr gerne, hat aber Angst vor allem, das Geräusche macht.

Am meisten Spaß hat unser Sohn - und da ist er sicher nicht der Einzige - mit Sachen, die gar keine Spielsachen sind. Im Moment sortiert er zum Beispiel die Ausgießer, die man auf die Schnapsflaschen steckt - ein Überbleibsel aus den Zeiten, in denen mein Mann als Barkeeper gearbeitet hat. Doch wenn wir dann doch mal etwas für ihn kaufen wollen, dann ist es wirklich schwer, etwas geschlechtsneutrales zu finden. Selbst die Nachtlichter und Babyphones sind hellblau oder rosa. Das ist doch Irre!

Ich bin froh, dass es wenigstens bei den Büchern kaum eine Rolle spielt, ob man für einen Jungen oder ein Mädchen einkauft. Meine Beobachtung ist, dass die meisten Kinder in den gezeichneten Büchern gar kein eindeutiges Geschlecht haben - was ich sehr gut finde. Allerdings ist das, glaube ich, nur in den Büchern für ganz kleine Kinder so. Später ändert sich das.

Die rosa-hellblau-Problematik in der Bloggerwelt

Ich bin vor allem durch die Artikel von Patricia Camarrata auf dieses Thema aufmerksam geworden. Sie bloggt unter dem Pseudonym Das Nuf und hat mittlerweile eine ganze Reihe von Texten zu diesem Thema verfasst. Aber auch andere haben sich schon zu Wort gemeldet:

Warum Geschlechtertrennung?

Es war nicht immer so, dass die Kinder schon an der Farbe ihrer Latzhose erkennen ließen, ob sie einen Penis haben oder nicht. Ich habe eine Schwiegermutter, die die komplette Kleidung ihrer Kinder eingemottet hatte. Knapp 40 Jahre später war es eine große Freude, die vielen Sachen wieder auszupacken. Gut, damals bestand alles aus Plastik - muss man mögen. Aber heute soll es ja um Farben gehen.

Obwohl es damals noch gar nicht möglich war, das Geschleht via Ultraschall zu bestimmen (oder gerade WEIL) gab es in diesen Kisten keine rosa hellblau sortierte Kleidung. Wir fanden: Gelb, rot, blau, orange, curry. Und so rennt unser Kind heute auch hauptsächlich herum. Vor allem die Pullunder, die es damals gab finde ich wahnsinnig praktisch. So sind die Nieren schön warm aber die Arme sind beweglich zum spielen. So geht Kinderkleidung.

weiblichWer hat sich also diese elendige Geschlechtertrennung ausgedacht? Richtig, der Kapitalismus. Wenn wir für den Erstgeborenen ein Fahrrad kaufen, können wir das an die kleine Schwester nicht einfach weitergeben. Was für eine Zumutung, das arme Kind mit einem Jungsrad fahren zu lassen. Wir müssten also ein zweites Fahrrad in der selben Größe kaufen. Da klingelt es in der Kasse der Fahrradhersteller - genau wie in den Kassen der Spielzeugfirmen, der Modefirmen und der Autositz-Hersteller und der Babyfläschchen-Hersteller und und und... Schöne neue Welt.

Meine Lösung

Ich versuche geschlechtsneutral einzukaufen. Wenn das nicht geht nehme ich blau, einfach weil mir rosa nicht gefällt. Am liebsten wähle ich türkis. Diese Farbe ist in meinen Augen geschlechtsneutral und sie steht unserem Kind außerordentlich gut. Sollte ein Mädchen nachkommen, sind wir gut ausgestattet. Mal sehen, ob wir das dann noch genauso sehen...

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