Hootsuite: Wer liest eigentlich das Kleingedruckte?

Ich habe kürzlich einen kleinen Schock erlitten, als ich meinen Hootsuite-Account mit Facebook verbinden wollte.

Autor: Lisa Figas

Hootsuite ist so eine super-praktisches Tool, das ungefähr jeder Social Media Manager nutzt, der etwas auf sich hält. Hier kann man nämlich von einer zentralen Stelle aus die Postings, Beiträge und Tweets in verschiedenen Sozialen Netzwerken verwalten. Hootsuite hat anscheinend ganz tolle Funktionen. Man kann zum Beispiel zeitverzögert posten (Urlaubsplanung) und alles ist total intuitiv und fancy. Ach ja: Kostenlos ist Hootsuite auch.

Für mich persönlich hat dieser Service bisher keine Rolle gespielt, weil ich gegen die automatische Veröffentlichung von Beiträgen in Social Media bin. Das hat verschiedene Gründe, aber einer davon ist, dass ich, wenn ich einen Beitrag schreibe, jedes mal auch den gesamten Account angucke. Ich sehe dann zum Beispiel bei Facebook die Statistiken, bei Twitter lese ich Mentions und retweete interessante Tweets und bei G+ verteile ich einige Plusse an die Firmen, mit denen mein Profil verbunden ist.

Die Erfahrungsberichte, die ich persönlich von Kollegen erhalten habe und im Internet gefunden habe, klingen alle ganz easy und toll. Eine kurze Nachfrage in einer befreundeten Online-Redaktion hat ergeben, dass man dort auch nach 2 Monaten Nutzung immer noch begeistert ist. Also habe ich einen Account erstellt.

Nach der (zugegebenermaßen) wirklich schnellen und unkomplizierten Registrierung wollte ich damit beginnen, die verschiedenen Accounts einzurichten. Zuerst habe ich auf "mit Facebook verbinden" geklickt. Und da kam auch schon die Überraschung:

Hootsuite will meine sexuelle Orientierung wissen und auch die Vorlieben meiner Freunde erfahren.

Selbst die Hootsuite-Eule guckt skeptisch... Grafik von Sven KülpmannSo, damit ich Beiträge über meinen Hootsuite-Account verwalten kann, muss Hootsuite erstmal meine sexuelle Ausrichtung kennen. Keine Ahnung, wofür diese Information gut sein soll, aber ich glaube nicht, dass meine Vorlieben im Bett Auswirkungen auf meine Fähigkeiten als Social Media Berater haben.

Wirklich witzig wird es aber ein paar Zeilen weiter unten. Denn auch die sexuelle Ausrichtung meiner (Facebook-) Freunde ist für Hootsuite relevant. Mal überlegen... Also, das ist die Lisa, die will hier was posten. Aber vielleicht ist sie lesbisch und oh Moment, sie hat sogar lesbische Freundinnen... ne, also ob die Qualifiziert genug ist, um bei uns Beiträge zu veröffentlichen...

Dazu fallen mir nun ein paar Dinge ein:

  1. Datenkrake
  2. Klar, wenn ich einen Dienst kostenfrei nutzen will, dann muss ich eben nicht mit Geld sonden mit Informationen bezahlen. Das leuchtet irgendwie ein.
  3. Ich (Lisa Figas) bin in der Lage, die Entscheidung zu treffen, ob und wann und wem ich Daten über meine sexuelle Ausrichtung gebe.
  4. Ich (Lisa Figas) bin aber nicht in der Lage, diese Entscheidung für meine Freunde zu treffen!!!

Was will ich damit sagen: Wenn ich meinen Account bei Hootsuite mit meinem Account bei Facebook verbinde, dann weiß Hootsuite (ein amerikanisches Unternehmen) von all meinen 289 Facebook Freunden, ob sie auf Männer, Frauen oder Strapse stehen.

Ich frage mich gerade, wie groß die Entschuldigungs-Party sein muss, bei der ich dann alle Betroffenen um Verzeihung bitte...?

Nun ja. Zwei meiner Freunde nutzen diesen Dienst bereits (das verrät mit Hootsuite selbst). Ich weiß also, welche beiden Personen meine Daten an einen amerikanischen Konzern weitergegeben haben, damit sie für berufliche Zwecke den Dienst von Hootsuite nutzen können.

Ich werde hier keine Namen nennen und auch keine rechtlichen Schritte gegen diese Personen unternehmen. Das liegt aber einzig und allein daran, dass Facebook keine sensiblen Daten von mir kennt.

Mir ist es aber wichtig, auf diese Tatsache aufmerksam zu machen. Denn selbst, wenn man sich und seinen Account schützt, dann sind die eigenen Verbindungen im Netzwerk immer noch ein Sicherheitsrisiko und ein Datenleck. Ich bitte alle Leser sich immer sorgfältig das Kleingedruckte durchzulesen und verantwortungsvoll mit den eigenen und den fremden Daten umzugehen.

Anmerkung: Ich sehe gerade, dass der Abschnitt mit der sexuellen Ausrichtung am 18. April 2013 noch nicht in dem Hinweistext aufgetaucht ist An diesem Tag hatte ich zum ersten mal eine Kopie des Kleingedruckten erstellt. Damals hatte ich mich über folgendes geärgert:

DIESE ANWENDUNG ERHÄLT ZUGRIFF AUF:

  • Deine allgemeinen Informationen
  • Deine E-Mail-Adresse (...)
  • Deine Profilinformationen: Beschreibung, Aktivitäten, Geburtstag, Ausbildung, Gruppen, Heimatstadt, Interessen, „Gefällt mir“-Angaben, Ort, Beziehungsstatus, Beziehungsdetails, Religiöse Ansichten und Politische Einstellung und Webseite
  • Deine Meldungen: Veranstaltungen, Notizen, Fotos, Statusmeldungen und Videos
  • Profilinformationen deiner Freunde: Beschreibungen, Aktivitäten, Geburtstage, Ausbildung, Gruppen, Heimatstädte, Interessen, „Gefällt mir“-Angaben, Aufenthaltsorte, Beziehungsstatus, Beziehungsdetails, Religiöse Ansichten und politische Einstellungen und Webseiten
  • Meldungen, die mit dir geteilt wurden: Veranstaltungen, Notizen, Fotos, Statusmeldungen und Videos
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