Mama arbeitet jetzt mehr als früher

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Von Teilzeit auf Vollzeit mit zwei kleinen Kindern. So sieht unser neuer Alltag aus.

Genau drei Jahre lang war ich nun in einem Teilzeit Job. Vormittag Projektleiterin, Nachmittags Kinderbeauftragte im Hause Figas. Seit Oktober habe ich nun einen neuen Job - in Vollzeit.

Ganz bewusst habe ich mir eine neue Stelle gesucht, in der ich mehr arbeiten kann. Weil ich gerne arbeite, weil ich weiterkommen möchte (wie man so schön sagt) und weil ich etwas für meine Rente tun möchte. Finanziell sind wir als Familie bisher gut ausgekommen. Aber ein halbes Monatsgehalt zusätzlich wird natürlich auch bei uns gerne genommen.

Wie geht es unseren Kindern in der Ganztagesbetreuung?

Nun sind also die Kinder nicht mehr bis 14:00 in ihren jeweiligen Betreuungseinrichtungen, sondern bis 16:30. Das ist für die beiden schon ein großer Unterschied.

Wir haben uns als Familie nur deshalb für diese Veränderung entschieden, weil wir uns absolut sicher sind, dass die Kinder gut aufgehoben sind und sich wohlfühlen. Die Kinder sind auch nach den langen Tagen in Betreuung vergnügt und entspannt. Das merke ich ihnen an.

Was ich aber auch merke ist, dass sie mich vermissen. Unsere gemeinsame Zeit zwischen Abholung und Abendessen war bisher von vielen verschiedenen Tätigkeiten geprägt. Nun ist sie deutlich kürzer und wir schaffen noch eine Sache (Staubsaugen oder Buch lesen oder Einkaufen oder Spielplatz). Die Gelegenheiten, auf meinem Schoß zu sitzen oder anderweitig Körperkontakt und ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen, sind deshalb seit der Umstellung sehr begrenzt. Teilweise klettern die Kinder übereinander und schubsen sich auf meinem Schoß gegenseitig, um nur ja ganz nah bei Mama zu sein. Das berührt mich sehr, ist aber gleichzeitig auch sehr schmerzhaft, weil ich noch immer mit Nachwirkungen einer Bein OP zu kämpfen habe. So ist die Stimmung bei uns zuhause schnell gereizt.

Ich bin mir nicht sicher, ob das Gerangel nur jetzt, in der ersten Zeit der Umstellung so ist, oder ob das von nun an eben unsere gemeinsame Zeit prägen wird. So oder so werden wir lernen, damit umzugehen. Ich weiß, dass wir den Kindern viel zumuten, aber ich weiß auch, dass wir nah an ihnen dran sind, ihre Veränderungen und Gefühle beobachten und besprechen. Deshalb glaube ich, dass wir schnell merken würden, wenn eines von beiden überfordert oder unglücklich ist.

Ein bisschen aufgeholt wird die fehlende Familienzeit übrigens im Bett. Einerseits dauert die Einschlafbegleitung bzw. das Gute Nacht Sagen bei beiden Kindern nun deutlich länger, andererseits kommt das große Kind nun eben auch wieder jede Nacht ins Familienbett zum Kuscheln. Dadurch werden zumindest ein paar gemeinsame Momente und einiges an Körperkontakt nachgeholt.

Unsere Familie im Familienbett

Wie gehen wir mit den anfallenden Aufgaben um?

Auch wenn es manchmal echt nervt: Ich versuche die Kinder in den Haushalt mit einzubeziehen. Jeden Nachmittag haben wir bisher eine Kleinigkeit gemeinsam erledigt. Oft haben sie irgendwie mitgemacht oder zumindest mit den Sachen gespielt, die eben so rumstehen, wenn man saugt, Wäsche macht oder Abendessen vorbereitet. Ich erhoffe mir, dass sie dadurch die Arbeit im Haushalt nicht als lästig, sondern als etwas Natürliches erleben.

Nun schaffen wir gemeinsam eigentlich kaum noch etwas. Die Arbeit verschiebt sich auf den Abend oder aufs Wochenende. Mein Mann übernimmt viele Dinge. Gleichwohl bin ich noch immer die, die den Überblick hat. Wir versuchen unsere Ehe von Klischees und klassischen Rollenbildern zu lösen. Trotzdem bin ich nun mal die, der der Haushalt mehr Spaß macht und die, die gerne Aufgaben verteilt. Also ist es für mich ziemlich fein so, wie es ist.

Wir Eltern versuchen nun noch einige Dinge am Abend zu erledigen, wenn die Kinder im Bett sind. Doch viel haben wir bisher nicht geschafft, weil dann ja auch noch so viele andere Dinge, wie die scheiß Steuererklärung oder ein dringend notwendiges ausgiebiges Vollbad dazwischen kommen.

Eine Veränderung gab es aber doch: Die Haushaltsliste. Das ist eine Themensammlung, die wir gemeinsam via Smartphone-App einsehen können. Dort notieren wir all die Dinge, die im Haushalt zu erledigen sind. Wenn Zeit ist, gehen wir sie gemeinsam durch und überlegen, worauf wir Lust haben.

Wie geht es mir mit dem neuen Familienalltag?

Ich genieße es, nicht mehr einen ganzen Arbeitstag in einen halben quetschen zu müssen. Denn so fühlt sich mein alter Job rückblickend an. Irgendwie hatte ich unterbewusst immer das Gefühl, mich dafür entschuldigen zu müssen, dass ich "schon heim gehe". Jetzt bin ich eine von vielen, die den ganzen Tag da ist. So zu sein, wie die anderen - das gefällt mir sehr!

Natürlich bin ich Abends eher müde als früher. Doch das liegt einfach an der Umstellung. Es sind ja nicht nur die zusätzlichen Stunden der Konzentration, sondern eben auch viele neue Themen, Techniken und Menschen, mit denen ich nun zu tun habe. Das strengt an. Nach der Elternzeit habe ich etwa 4 Wochen gebraucht, um mich wieder an die Arbeit zu gewöhnen. Ich denke, dass es nun ähnlich sein wird.

An meinem Jobwechsel haben übrigens viele Freunde Anteil genommen. So erreichen mich fast jeden Tag Nachrichten, in denen gefragt wird, wie es mir in der neuen Stelle gefällt. Einige davon kommen von anderen Müttern, die ebenfalls über ihre berufliche Situation nachdenken. Ich kann dann aus meiner persönlichen Sicht berichten - so wie ich das immer tue. Auch hier im Blog. Aber ich würde niemals sagen, dass Vollzeit für alle Mütter super ist. Für uns passt es so und ich habe mich dafür angestrengt, ein Ziel zu erreichen. Das kann bei anderen ganz anders sein. Und dann ist es auch gut.

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