31.12.2016

Jahresrückblick 2016

Mein Jahr bestand zu einem überraschend großen Teil aus Lesen. Dank meinem neuen Smartphone funktionieren Browser, Feedreader und Twitter-Client wieder. Das Lesen im Netz war mir deshalb eine große Freude. Ehrlich gesagt war ist auch oft meine einzige, in den langen Nächten, in denen mir ein Baby am Busen hängt und der Rest der Familie seelig schlummert... Heute will ich mit Euch meine liebsten Blogs teilen.

Lesezeit:

5 min


Die Idee, einen Jahresrückblick in Blog-Empfehlungen zu machen, ist mir beim Hören des Lila-Podcast gekommen. Dort wurde nämlich verkündet, dass die Featurette zum Jahreswechsel abgeschaltet wird. Die Featurette ist eine Sammlung von Blogs, die von Frauen geschrieben werden. Mit wenigen Klicks konnte man die Featurette abonnieren und hatte sofort 92 Blogs von interessanten Frauen im Feed. Genial für jemanden wie mich, die gerade in den letzten Jahren (seit der Familiengründung) den Feminismus für sich entdeckt hat.

Nun heißt es also: Feedreader neu sortieren, prüfen, ob man manche Bloggerinnen auch/und/oder lieber auf Twitter folgt, rumstöbern, wer gute Facebookseiten macht und welche Frauen sich so auf Instagram herumtreiben. Dort bin ich übrigens nur, weil die Kadda gesagt hat, dass Lena Dunham so viel auf dort postet.

Meine Bloggerinnen-Tipps aus 2016:

Das Makellosmag (die Blog) hat in diesem Jahr den Grimme Online Award gewonnen. Ich freu mich total für Corinne. Aber noch mehr freue ich mich, dass ich ihr Blog schon vorher kannte und gelesen habe. Ich finde, so ein Preis adelt auch meinen Geschmack als Leserin, hm?

Wie erkenne ich Sexismus in der Werbung?Pink Stinks ist eine NGO aus Berlin, die sich gegen Gendermarketing stark macht. Woraus die Arbeit von Pink Stinks besteht? Naja, ich finde dieses Bild macht die Sache recht deutlich. In ihrem Blog erfährt man allerhand interessantes zu aktuellen Werbekampagnen und Kooperationen mit großen Unternehmen, aber natürlich auch von Rückschritten und der Verzweiflung, die einen im Supermarkt überkommt, wenn es dort plötzlich Saure Gurken für Jungen und Saure Gurken für Mädchen gibt (kein Witz).

The Diary of Kitty Koma ist ein Tagebuchblog. Hier liebe ich vor allem die Sonntagsmäander in denen Jana über ihre vergangene Woche nachdenkt. Besonders nah sind mir die Einträge aus der zweiten Jahreshälfte gegangen, in denen Jana über ihre Reha schreibt und reflektiert, wie sie mit Stress und Belastung umgeht und umgehen sollte, wie sie Selfcare ernster nehmen kann und welche Rolle ihre Beziehung dabei spielt. Dabei handelt es sich beim Diary of Kitty Koma aber nicht um so einen #healthylifing Quark. Keine Sorge!

Die Groschenphilosophin kannte ich schon aus der Featurette, als sie mir 2015 zufällig auf der re:publica über den Weg lief. Mit einem Gesicht im Kopf habe ich ihre Texte dann mit noch mehr Vergnügen gelesen. Und habe sogar auf bento-Links geklickt, als sie dort als Autorin tätig wurde. Nun ist es stiller geworden. Ich bin gespannt, was Xenia 2017 so von sich hören lässt!

Das Nuf ist für mich die Ikone der Elternbloggerinnen. Ich war schon hin und weg von ihr, bevor ich sie in Berlin traf (ebenfalls re:publica). Doch als ich dann sah, mit welcher Gelassenheit sie ihre Position während der Podiumsdiskussion verteidigte... Wow! Ich verstehe nicht, wie dort Leute rausgehen konnten, und trotzdem weiterhin Fotos ihrer Kinder im Netz posten. Patricias Haltung dazu ist klar: Kinder gehören nicht (erkennbar) ins Netz. Ich sehe das übrigens auch so.

Das Kaiserinnenreich ist der Blog von Mareice. Sie berichtet vom Leben mit ihren beiden Töchtern, von denen eine schwer behindert ist. Eben diese Tochter ist vor etwa einem Jahr verstorben. Im Netz hat das eine große Welle des Mitgefühls ausgelöst. Bis heute macht sich Mareice für Familien mit behinderten Kindern stark indem sie zum Thema Inklusion aufklärt. Dazu hat sie ein Buch veröffentlicht und lässt im Kaiserinnenreich andere Mütter behinderter Kinder zu Wort kommen. Ich habe durch ihre Arbeit viel für mich persönlich mitgenommen und kann nur jedem empfehlen, sich damit auseinanderzusetzen und zu überlegen, warum man eigentlich so wenige behinderte Kinder im Alltag sieht. Spoiler: Die werden nicht alle abgetrieben - obwohl das so viele Leute glauben, dass es völlig in Ordnung zu sein scheint, Mütter behinderter Kinder auf der Straße zu fragen, warum sie nicht abgetrieben haben. Ihr seht: Es gibt noch viel zu tun.

Auf Robot in a Box schreibt Marlies über ihren Autismus. Ich fand ihre Berichte über das Dating via Tinder mega spannend. Und überhaupt haben mich ihre Beobachtungen zu Liebe, Sex und Beziehung sehr zum Nachdenken angeregt. Denn oft wird das Selbstverständliche erst sichtbar, wenn es eben nicht mehr selbstverständlich ist. Auch Marlies hat inzwischen ein Buch herausgebracht: Verstörungstheorien.

Die Fuckermothers und das Blog Umstandslos befassen sich beide mit feministischer Perspektive auf Mutterschaft. Ich habe sie beide abonniert und gelesen und kann sie im Rückblick inhaltlich kaum auseinanderhalten weil sie thematisch nah zusammenliegen. Empfehlenswert sind beide, denn mein Herz hüpft jedes mal, wenn ich im Feadreader die Namen dieser Blogs entdecke. Bei Umstandslos habe ich 2014 übrigens mal selbst einen Gastarktikel eingereicht. Anonym. Aber jetzt kann ich es Euch ja verraten: Nein, Danke!

Noch ein Wort

Persönlich sehr bewegt hat mich in diesem Jahr der Tod des Bloggers Johannes Korten. Er war so viel mehr als ein Blogger. Ein Social Media Multitalent würde ich sagen. Er hat für die GLS Bank gearbeitet und immer wieder mit aufsehenerregenden Aktionen das Herz der Internetcommunity getroffen. Ich habe ihn beruflich sehr bewundert und seine Arbeit eng verfolgt. Johannes Korten war für mich das einzige berufliche Vorbild, dass ich je hatte, weil er stets genau den Nerv getroffen hat und seine Aktionen nie im Bereich des Lächerlichen landeten, wie es bei so vielen wenig durchdachten Social Media Gewinnspielen, Challenges, Memes und Hastags der Fall ist. Meine Filterblase war geschockt von Johannes Selbstmord. Und ich denke noch heute, etliche Monate später, oft an ihn. Ich habe noch immer den Tab zu seinem Blog geöffnet, obwohl die Domain schon längst abgemeldet wurde. Es stimmt mich sehr nachdenklich, dass ich beruflich gerade die Person am meisten bewundere, die es mit sich selbst so schwer hatte. Was sagt das nur über unsere Branche aus?

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