Jetzt ist es offiziell

Meetshaus gibt es nicht mehr - zumindest, wenn man das Gewerbeamt Augsburg fragt.

Letzte Woche war ich "Auf der Blauen Kappe" - das ist in Augsburg die Adresse des Bürgerbüros und des Ordnungsamtes. Jeder hier in der Stadt weiß, was damit gemeint ist. Für alltägliche Anliegen, wie Parkausweise, Reisepässe und Nummernschilder gibt es mittlerweile ein tolles System der Online-Terminreservierung. Wenn man spontan ohne so einen Online-Termin hingeht, weiß man zumindest immer, wie lange man noch warten muss und kann noch mal zwischendurch weggehen.

Das Gewerbeamt (genau wie die Ausländerbehörde) ist in einem anderen Gebäudeteil. Weil hier nicht so viel Publikumsverkehr herrscht, gibt es hier kein System. Mit Kleinkind unterm Arm kommt man da ganz schön ins Schwitzen, wenn man zwischen dem Raum, in dem man die Nummer zieht, dem Raum in dem man das Formular abgibt und der Kasse (Gewerbeabmeldung in Augsburg: 20,00€) hin- und her rennt. Wenigstens gibt es Aufzüge. Aber die Türen zwischen den verschiedenen Gebäudeteilen sind groß und schwer. Wie so oft frage ich mich: Wie kommt ein Rollstuhlfahrer hier durch?

Das Ende der Selbständigkeit : die Gründe

Ich habe meetshaus geliebt, aber ich bin froh, dass es vorbei ist. Vor allem in der Zeit der Schwangerschaft ist es mir zuletzt oft schwer gefallen, die nötige Härte gegenüber den Kunden zu zeigen. Mein Problem ist, dass mir meine Arbeit Spaß macht. Ich liebe Onlinemarketing. Tolle Kunden freuen sich darüber und schenken mir vertrauen. Schlechte Kunden nutzen das aus und fordern immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit. Jetzt, in einer Festanstellung, kann ich mein Know How anbieten, bin aber so in bestehende Strukturen eingebunden, dass das Verhältnis zwischen Kunde und Dienstleister viel, viel klarer ist.

Gegen Ende der Schwangerschaft habe ich die Zusammenarbeit mit den meisten Kunden beendet. Nur die Filetstücke habe ich behalten und auch während der Elternzeit weiter betreut. Als das Ende der Elternzeit absehbar war, stand ich vor der Wahl, mir wieder einen neuen Kundenstamm aufzubauen oder in ein bestehendes Agenturnetzwerk einzusteigen. Zweiteres war für mich wesentlich attraktiver.

Selbständigkeit und Elterngeld

Grundsätzlich ist das Elterngeld auch mit Selbständigkeit kein Problem. Ich habe die Beratungsstelle hier in Augsburg immer sehr gerne besucht und wurde freundlich und kompetent bedient. Doch der Elterngeld-Antrag ist mit unendlich viel mehr Aufwand verbunden, wenn man Selbständig ist. Sowohl für den Antrag an sich als auch für die abschließende Prüfung (nach dem Bezugszeitraum), musste ich die Unterlagen von meinem Steuerberater vorbereiten lassen, weil ich nicht fit genug bin um mal eben eine centgenaue Bilanz für einen völlig krummen Zeitraum zu erstellen (unser Kind ist ja nicht am 31. Dezember geboren worden). So sind noch einmal Kosten von mehreren hundert Euro entstanden - schön für meinen (wirklich sehr lieben) Steuerberater, nicht schön für mich. Die Kosten für die Einkommensteuererklärung kommen ja schließlich auch noch jedes Jahr dazu.

Endlich angestellt

Jetzt, wo ich bei Elfgenpick bin, lerne ich viele Vorzüge des Angestellt-Seins erst kennen. Da ich mich nach dem Studium gleich mit meetshaus an die Arbeit gemacht habe, kenne ich vieles nicht: Betriebliche Altersvorsorge, Krankengeld, geregelter Urlaub, feste Arbeitszeiten mit genauem Überblick über die Überstunden und das Wichtigste: Das Geld, das man auf dem Konto hat, gehört einem auch. Um die Umsatzsteuervoranmeldung und die Einkommensteuervorauszahlung sollen sich nun andere kümmern... Ich bin es leid, dass einem teilweise zwei Jahre später noch irgendwelche Beträge abgezogen werden (liebe Grüße an das Finanzamt, an dieser Stelle).

All die genannten Vorzüge möchte ich nie mehr missen.

Früher dachte ich: Ich kann mich nur schwer unterordnen. Heute weiß ich: Wenn das Umfeld zu mir passt, kann ich auch als Angestellte sehr glücklich sein. Das geht aber nur, weil ich in meiner Position als Projektleiterin frei entscheiden kann und eigenverantwortlich arbeite.

Der Verwaltungsakt

Jetzt ist auch die Bestätigung meiner Gewerbeabmeldung per Post eingegangen. Die Kopie liegt dem Steuerberater vor. Jetzt muss ich noch einen Brief ans Finanzamt schicken. Die Dame am Telefon sagte mir nämlich, dass es so lange dauert, bis die über eine Abmeldung informiert werden, dass bis dahin bei mir sicherlich einige Mahnungen und Zahlungsaufforderungen auflaufen. Das kann ich vermeiden, wenn ich dem Finanzamt die Abmeldung jetzt gleich mitteile. Nagut. Damit kann ich leben.