rp15 AdBlock Plus: Ein Werbeblocker als Retter der Online-Werbung?

Tag 2 10:30 Stage 11 - Session von Tim Schumacher #Onlinemarketing #Werbebanner

Internetnutzer sind nicht länger dazu bereit aufdringliche Werbung im Netz zu akzeptieren. Anstatt auf ihre Nutzer zu hören, reagieren Werbetreibende auf die Ablehnung ihrer Online-Anzeigen mit nur noch penetranteren Werbeformaten. Dies kreiert einen gefährlichen Teufelskreis und eine Bedrohung für das Online-Ökosystem. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen hat Eyeo die "Initiative für akzeptable Werbung" ins Leben gerufen und arbeitet somit an einer nachhaltigen Lösung für Publisher und Nutzer.

Ich selbst nutze seit Jahren den AdBlocker als Plgin für alle meine Browser. Nur so ist das Internet für mich "bedienbar". Für mich waren zwei Punkte für die Installation ausschlaggebend:

  1. Hektische, blinkende Werbung hat mich nervös gemacht
  2. Layer-Ads, die den Content überdecken, haben mich aggressiv gemacht

Mir ist aber völlig klar, dass das Internet nun mal zu einem beachtlichen Teil durch Werbung finanziert wird. Vor einigen Jahren hatte ich, zusammen mit meinem Haus- und Hof-Programmierer einen offenen Brief an die Redaktionen von SPIEGEL ONLINE und der Süddeutschen Zeitung geschickt. Wir unterbreiteten den Damen und Herren den Vorschlag, den Betrag, den ein Abo kostet, zu überweisen, ohne dafür ein Print-Produkt zu erhalten - welches wir ohnehin nie anschauen würden.

Leider kam nie eine Antwort. Doch seitdem verfolge ich die Debatte um Paywalls und Werbebanner, Bezahlcontent und Freemium-Modelle mit großem Interesse. Daher war ich sehr gespannt darauf, was Tim Schumacher von AdBlockPlus erzählen würde.

Session Warum ist AdBlock der Retter der Onlinewerbung?

Nachdem uns Jens in der vorangegangenen Session erklärt hat, dass Werbeblocker als Konzept gescheitert sind, war ich natürlich gespannt, wie Tim mit dieser Vorlage umgeht. Dass der Firma AdBlock oft eisiger Wind entgegenweht ist Tim aber gewohnt und hat auch kritische Fragen galant weggebügelt. Aber der Reihe nach.

Die Session begann mit einem Werbevideo von AdBlock und dem betont beiläufigen Kommentar, dass AdBlock vor wenigen Tagen einen Teilerfolg vor einem Gericht in Hamburg erzielt hat: Ja, das Geschäftsmodell ist zulässig. Man hätte sympathischer in das Thema einsteigen können, aber gut.

Es gibt eine Ungerechtigkeit im Netz. Manche Webseiten sind nicht auf klassische Werbung angewiesen. Zum Beispiel, weil sie Venture Capital erhalten haben. Das macht die Werbung auf den übrigen Seiten für den Nutzer noch unangenehmer, was zu größerem Frust führt und das Problem für diese (nicht finanzierten) Seiten noch verschärft.

Seitenbetreiber, die sich die Mühe machen, nur akzeptable Werbung auf Ihrer Seite zu schalten, gucken in die Röhre, denn: Gute Webseiten sind ein Kollateralschaden von den schlechten und den Blockern. Und dort setzt AdBlock Plus an, denn mit diesem Addon, werden dem Nutzer einzelne Anzeigen gezeigt, die bestimmten Regeln für acceptable ads folgen: acceptable ads initiative. Ergebnis: Werbefinanzierung für Anbieter ist möglich, das Nutzerverhalten für die Besucher ist nicht eingeschränkt.

Diese Richtlinien sind wichtig, um langfristig wieder ein gutes Verhältnis von Werbung, Content und Nutzererlebnis im Internet zu erreichen. Ein Beispiel: Ein TV-Spot, der 30 Sekunden dauert, wird im Fernsehen akzeptiert, wenn man einen 90 minütigen Film schaut. Wenn der gleiche Spot bei YouTube vor ein lustiges 20 Sekunden-Video geschalten wird, stimmt das Verhältnis nicht mehr und der Nutzer ist frustriert. Die Installation eines Werbeblockers passiert dann aus "Notwehr".

Der durchschnittliche Nutzer hat dabei aber ein schlechtes Gefühl. Die meisten wissen, dass Werbung die Inhalte finanziert. Ein bisschen Werbung ist für Viele deshalb in Ordnung.

Was präsentiert uns Eyeo nun als Ergebnis? Der Kompromiss AdBlockPlus (nur acceptable ads sind zugelassen) funktioniert. Die Whitelist-Anträge werden von AdBlock zum großen Teil gratis bearbeitet (nur die großen Unternehmen zahlen). Übrigens: Mit einem Klick kann man den Blocker wieder auf die Basisversion zurückstellen und erhält dadurch eine komplette Werbeblockierung. Diese opt out Funktion verstehen laut Anbieter 95% der AdBlockPlus Nutzer.

Zum Schluss empfiehlt uns Tim: Auch kleine Blogger sollten sich bei AcceptableAds.com registrieren. Kurzfristig bringt das zwar nicht so gute Monetarisierung. Aber langfristig wird das angestrebt. Ich sage: Den User Trust, den man sich damit aufbaut, darf man natürlich auch nicht vergessen! Langfristig setzt das sicherlich positive Signale.

Mehr zur Session findet Ihr hier und den Speaker findet Ihr unter: Tim Schumacher