rp15 Fremd gehen immer nur die anderen - Liebe und Beziehung in Zeiten der Digitalität

Tag 3 12:30 Stage 6 - Session von Journelle

Auf Online-Partnerbörsen kann man die Liebe des Lebens, einen Weggefährten für kurze Zeit, eine Affäre oder auch den einen oder anderen kolossalen Reinfall kennenlernen. Aber das Internet ist nicht nur eine weitere Form, mit bisher Unbekannten in Kontakt zu treten. Es ändert auch die Art, wie wir Beziehung wahrnehmen und leben.
Mich hat diese Session besonders interessiert, weil ich selbst schon zum Thema Onlinedating geforscht habe. Damals, an der Uni, als ich noch jung war...

Die Session

Zeichnung von @AlphonsPhoDie Energie, einen bösen Text zu schreiben, oder ein Panel auf der re:publica anzumelden, kommt Journelle dann, wenn sie über einen Auslöser stolpert. In diesem Fall ging es um den Text: "Warum Frauen Fremdgehen" (Orlando). Oder in Journelles Worten: Töten, um das Geheimnis des ewigen Lebens zu finden.

Datingplattformen vermitteln ein Gefühl von Menükarte - man meint, man könnte so lange Auswählen, bis die Komponenten passen. Das war übrigens auch das Ergebnis meiner eigenen Forschung aus dem Jahr 2010: Der große Irrglaube, man hätte die Auswahl.

Fremdgehen in Zeiten des Internet

Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass wir immer und überall Möglichkeiten haben. Doch das zählt für andere Lebensbereich eigentlich auch.

Die Digitalität verführt uns dazu, unsere Realität dem Image anzupassen, das wir haben, oder für erstrebenswert halten. Als Beispiel werden hier die perfekten Familienfotos auf Facebook genannt. Der zur Schau gestellte Beziehungsstatus ist aber (natürlich) nicht der reale (aufregender Sex auf Twitter, sexy Posen auf Instagram und perfekte Beziehung auf Facebook).

Fremdgehen in der öffentlichen Wahrnehmung

Fremdgehen in den Filmen ist lebensgefährlich. Fremdgehen in nicht hetero-Beziehungen findet kaum statt. Fremdgehen ist im Film jedenfalls immer schwierig und konfliktbeladen. Doch die Entwicklung zeigt mittlerweile: Frauen müssen nicht mehr sterben, wenn ihnen ein Mann nicht reicht.

Wir haben heute noch immer das Postulat der einzigen, ewigen Beziehung im Leben. Sybolbild: Schlösser an der Brücke - ein tristes Symbol für die Liebe (tosender Applaus): "Bis dass der Rost uns scheidet".

Fremdgehen in Zeiten des Internet

Aaaaaber: Scheidungsraten sind hoch, Leute gehen fremd. Also irgendwie passt dieses Bild nicht (mehr?).

Warum ist das Internet geil: Man stellt fest, dass man mit seinen Bedürfnissen nicht allein ist. Die gefühlte Anormalität ist nicht mehr so erdrückend. Es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl - jeder findet im Netz jemanden, der die eigenen (abnormen) Bedürfnisse teilt. Varianz bei Beziehungsmodellen wird im Internet sichtbar und das ist toll.

Fazit: Womöglich wird es nicht einfacher mit der digitalen Liebe, aber sicherlich spannender.

Mehr zur Session findet Ihr hier, das Video davon kann man hier anschauen und die Speakerin findet Ihr hier:  Journelle