rp15 Wie privat ist zu privat? – Die tägliche Entscheidung eines Familienbloggers

Tag 2 um 13:45 Stage 11 - Diskussionsrunde mit den Mami-Bloggerinnen Henriette Zwick, Jessika Rose, Pia Reichert und Patricia Cammarata. #Persönlichkeitsrecht

Auf Familienblogs bekommt der Leser oft einen kleinen, privaten Einblick in das Leben des Bloggers. Einige schreiben anonym, zeigen sich, aber keine Fotos ihrer Kinder, auf anderen Blogs wird ein offener Umgang gepflegt. Sind Kinderfotos schon ein Eingriff in die Privatsphäre? Ist ein detaillierter Geburtsbericht zu privat und hat nichts in der Öffentlichkeit verloren? Begünstigen Blogs mit privaten Themen negative Kommentare, Hater oder sogar Stalker? Wo ist die Grenze zwischen sich mitteilen und austauschen und zu privat? Gibt es die überhaupt? Gemeinsam mit drei Familien Bloggerinnen will ich diesen Fragen auf den Grund gehen.

Ja, ich gebe zu, ich bin Das Nuf Fangirl. Wie herrlich, noch einen meiner Web-Heroes in natura zu erleben!!!

Die Diskussionsrunde

#webkidsWie gehen wir mit den Bildern unserer Kinder im Netz um? Zu Beginn stellt Henriette gleich mal klar, dass wir hier nur über Fotos von angezogenen Kindern sprechen. Das "Andere" soll hier nicht diskutiert werden.

Die Tweets zu der Podiumsdiskussion kann man nachlesen unter dem Hashtag #webkids

Ein paar Argumente, die genannt wurden:

  • Man muss zunächst mal klären, was Privatsphäre bedeutet. Patricia entscheidet sich im Zweifel für die konservative Variante: Eher nicht posten. Es gibt zum Beispiel eine Altersgrenze für verschmierte Schnütchen. Bei einem Zweijährigen ist das ok, für einen 12 Jährigen nicht mehr. Klarnamen werden vermieden, das ist aber auch eine Gefühlsentscheidung.
  • Ehrliche Texte sind genauso intim wie Fotos. So gesehen kann man als ehrliche Bloggerin die Fotos ja auch gleich dazu posten.
  • Patricia schlägt vor: Privates kann man auch als Inspiration verwenden und daraus Geschichten basteln um Eltern-Prototypische-Situationen zu illustrieren. Das Publikum ist geschockt: Das Nuf lügt uns alle an?
  • Die erwachsenen Kinder von Pia finden die alten Bilder und Blogartikel ok. Sind aber selbst keine Digital Natives geworden. Früher war die Eltern Blogger Szene aber irgendwie auch kuscheliger, höre ich aus ihrem Bericht so heraus.
  • Auch angesprochen wurden diese seltsamen Fake-Mamas, die sich Kinderfotos im Netz zusammenklauen und so tun, als wären sie Elternblogger. Das habe ich persönlich via tumblr schon mehrfach mitbekommen und habe gar keine Erklärung für dieses Phänomen. Leider wurde das auf dem Podium nicht weiter vertieft.
  • Patricia stellt sich die Frage: Wer verliert was, wenn ich ein bestimmtes Foto nicht poste?
  • Was man aber auch nicht vergessen darf: Die Blogger, die ihre Kinder zeigen, tun dies sehr reflektiert und denken genau darüber nach, was sie tun. Der Vorwurf von Fahrlässigkeit ist nicht gerechtfertigt, sagt Jessica.
  • Kindern mit Behinderung werden gezeigt, mit dem Argument, dass "solche" Kinder zu lange versteckt wurden. Auch das ist Inklusion, wenn man so will. Für mich übrigens das einzige Argument, das man eventuell gelten lassen könnte.
  • Es muss möglich sein, Motive zu wählen, die die Situation darstellen, ohne das Gesicht des Kindes zu zeigen, sagt Das Nuf. Also zum Beispiel die Hände beim Backen oder der Kopf von Hinten.
  • Nutzer gucken zwar gerne Bilder und Videos von Kindern im Internet an, finden es aber voll schlecht, wenn jemand Bilder und Videos von Kindern ins Netz stellt. Das ist eine miese Scheinmoral, mit der die Elternblogger hier konfrontiert werden.
  • Wer die Fotos hochlädt ist nicht Schuld daran, wenn jemand anderes mit diesen Fotos Schindluder getrieben wird.
  • Peinlichkeit ist individuell und nicht auf einer Skala messbar. Die Eltern von Patriza hatten ein paar Kinderfotos, die sie waaaahnsinnig knuffig fanden, Patrizia hasst diese Bilder. Man kann Peinlichkeit also nicht für andere festlegen.

Zusammenfassung

Der hässlichste Elefant der Welt, das Nuf und das Fangirl LisaIch muss sagen, ich fand es ungünstig, dass von vier Bloggerinnen auf dem Podium drei für die Veröffentlichung von Kinderfotos im Netz waren. Ich frage mich, ob das auch der Realität entspricht. Bisher dachte ich, dass die Mehrheit gegen die Veröffentlichung von Fotos der eigenen Kinder im Netz ist, doch das scheint ein Irrtum zu sein.

Patricia wirkte im Anschluss an die Diskussionsrunde ganz erstaunt, endlich mal jemanden zu treffen, der ihre Position teilt. Das hat mich wiederum überrascht, weil sie sicherlich gut vernetzt ist und die Stimmung unter den Elternbloggern wahrscheinlich besser kennt als ich.

Unser eigenes Kind im Netz?

Mein Mann und ich haben uns dazu entschieden, unser Kind nicht mit Gesicht im Netz zu zeigen. Der Grund dafür ist, dass der Kleine ja vielleicht mal Untergrundkämpfer werden will. Wenn seine Gesichtsdaten dann schon bei allen Internetkonzernen (und damit den Geheimdiensten) liegen, könnte sich das ungünstig auf seine Karriere auswirken. Für uns ist das das gleiche, wie zu vermeiden, dass sich das Kind mit der Gabel ein Auge ausspießt, weil es dann nicht mehr Pilot werden kann.

Mehr zur Session findet Ihr hier und die Speaker findet Ihr hier:

  • Henriette Zwick (zeigt ihre Kinder im Netz, angezogen)
  • Jessika Rose (zeigt ihre Kinder im Blog)
  • Pia Reichert (Blog wurde still gelegt, enthielt aber Bilder der Kinder)
  • Patricia Cammarata (Kinder sind auf den Bilder nicht wiederzuerkennen, also von hinten zu sehen oder mit einem Katzenkopf anonymisiert)
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