Die Sexpuppe im Kinderzimmer

Von
Abgelegt unter
Lesezeit:

3 min

"Westpäckl" haben in unserer Familie eine lange Tradition. Und dafür muss ich nun büßen. Die Geschichte davon, wie man eine Sexpuppe aus dem Kinderzimmer verschwinden lassen kann.

Während die Mauer noch stand und meine Familie auf "Luxus" wie schicke Kleidung, Kaffee und eingelegte Oliven verzichten musste, kamen diese Güter oft in Paketen über den Eisernen Vorhang. Sogar aus den USA wurden wir "versorgt". Allzu oft waren seltsame Dinge darin enthalten. Ich erinnere mich noch an die knielange Hose aus Kord, für die sich aufrund der rosa Farbe und den großen weißen Punkten jahrelang kein Enkel begeistern konnte. Entgegen aller Moralvorstellungen hat Oma dieses Kleidungsstück irgendwann weggeworfen.

Mittlerweile werden die Pakete in die andere Richtung verschickt. Wir hier in Augsburg erhalten etwa vier mal im Jahr eine große Kiste mit abgelegter Kleidung meiner Cousins. Die Hosen, Jacken und Turnschuhe dürfen bei uns dann ihren zweiten Frühling erleben.

Oma schummelt stets extrem viele Süßigkeiten mit in ihre Post, weil sie davon überzeigt ist, dass meine Kinder davon viel zu wenig abbekommen. Meistens gelingt es mir, einen Großteil davon unauffällig verschwinden zu lassen, während die Kinder den Karton zerfetzen. Letztens ist mir aber doch etwas durchgerutscht: Die Sexpuppe.

Meine Tochter spielt mit einer Sexpuppe

Oma hat es geschafft, die hässlichste Babypuppe dieses Universums in ihr "Ostpaket" zu packen. Keine Ahnung, woher dieses kleine Plastikbiest kommt, welches Kind zuvor damit gespielt hat und wie viele Mütter dieses Monster schon unauffällig haben verschwinden lassen.

Die hässlichste Babypuppe der Welt

Mir ist das jedenfalls nicht gelungen. Unsere eineinhalbjährige Tochter sah das mintrüne Ding, rief "Baby" und hatte die Puppe adoptiert. Seitdem schleift sie das Plastik-Polyester-Biest durch die Wohnung, in unsere Familienbett (urgs) und fährt sie im Puppenbuggy spazieren. Die Verzweiflungsanfälle, weil "Baby" nicht gleich zu Hand war, sind ungezählt.

Mein Mann findet die Sexpuppe, wie wir sie aufgrund des stets geöffneten, kreisrunden Mundes liebevoll nennen, einfach nur hässlich. Mir, als ehemalige Waldorfschülerin und Tochter einer Waldorfkindergärtnerin, die alle Puppen selbst genäht hat, ist das Ding abgrundtief zuwider. Jahrelang dachte ich, dass es schlimm wäre, wenn sich meine Kinder mit jemandem anfreunden, den ich nicht mag. Jetzt weiß ich, die Sexpuppe ist viel schlimmer.

Sie verkörpert ungefähr alles, was ich verachte, wenn es um meine Kinder geht:

  • Der stets willige, weit göffnete Mund war wohl ursprünglich für einen Schnuller gedacht - meine Kinder hatten nie einen.
  • Der Polyester Körper fühlt sich so kalt und unnatürlich an - dieses Material versuche ich zu vermeiden, wo es nur geht.
  • Die Kleidung ist direkt an der Puppe angenäht. Unmöglich, sie auszuziehen - Geht es bei Puppen nicht eigentlich genau darum?

Doch alles Zetern hilft nicht: Frida hat sich unsterblich in ihr Baby verliebt.

Kuscheln mit der hässlichsten Babypuppe der Welt

Weihnachtliches Sexpuppen Wegschummeln

Mein Mann und ich leben nun seit etwa 3 Monaten mit dem Sexmonster. Und wir können uns nicht daran gewöhnen. Also haben wir lange im Internet nach einer Alternative gesucht. Auf DaWanda sind wir schlussendlich fündig geworden: Der aus Öko-Stoff handgenähte Leopold, 37cm mit Bauchnabel soll es nun sein. Wir haben diese sündhaft teure Puppe als Weihnachtsgeschenk für Frida bestellt und sind sehr gespannt, ob sie unser Alternativangebot annehmen wird.

Handgenähte Puppe nach Waldorfart

Seit Leopold in der Kiste auf seinen Einsatz wartet, überlegen wir, wie wir unserer Tochter den Umstieg auf ihre neue Puppe erleichtern können.

  1. Taktik: Wir lassen die Sexpuppe kurz vor Weihnachten verschwinden und hoffen, dass sie den kleinen Leopold als neues Baby akzeptiert
  2. Taktik: Wir lassen sie nach Weihnachten eine Weile mit beiden Puppen spielen und lassen das Sex Monster dann verschwinden, in der Hoffnung, dass ihr der Abschied dann leichter fällt.
  3. Taktik: Wir geben auf uns lassen sie selbst entscheiden, wem sie wie viel ihrer Liebe schenkt.

Frida ist an Weihnachten ziemlich genau 20 Monate alt. Mein Gefühl als Mutter sagt mir, dass wir einfach demit leben müssen, dass sie sich eine Sexpuppe als treue Gefährtin ausgesucht hat. Mein ästhetisches Ich kann sich mit dem Gedanken einfach nicht anfreunden.

Was meint ihr: Wie werden wir die Sexpuppe los?

blog comments powered by Disqus