Unsere Kinder sind genau das, was die Welt von morgen braucht

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Erschaffen wir kleine Tyrannen, wenn wir die Bedürfnisse unserer Kinder rasch und empathisch erfüllen? Julia Dibbern sagt Nein und erklärt das Prinzip der Erziehung im unterstützenden Modus.

Angesichts gepackter Reisetaschen stand ich vor meinem Bücherregal und überlegte, welches Buch mich auf dem Familienurlaub begleiten sollte. Ich wusste, wir würden nicht nur baden fahren und im Sandkasten spielen. Es ging (wie jedes Jahr) auch darum, der weitläufigen Verwandtschaft die Kinder zu zeigen.

Bei solchen Gelegenheiten gibt es Geschenke, Anekdoten von früher und... Beurteilungen. Können sich unsere Kinder benehmen? Wie groß, schlau und höflich sind sie wohl. Sind wir als Eltern streng genug?

Die Bewertungsmaßstäbe sind unterschiedlich und bieten viel Interpretationsspielraum. Fest steht jedoch, dass ich vor der Abreise eine gewisse Anspannung spürte. Wieder mal. Die Tyrannenlüge von Julia Dibbern erschien mir daher ein passendes Buch für die Reise zur Verwandtschaft zu sein. Zwar hatte niemals jemand uns gegenüber das Wort Tyrann verwendet, doch gab es gelegentlich Anspielung auf mangelnde Strenge (unsererseits) oder mangelnde Disziplin (auf Seiten des Kindes).

Seine Kinder ernst zu nehmen ist ein relativ neuer Erziehungsansatz. Die Angst vor der Dunkelheit, das Bedürfnis von Nähe beim Einschlafen und das rechtzeitige (An-)Erkennen von Müdigkeit, Stress oder Überforderung ernst zu nehmen, ist für uns und viele andere Familien heute völlig normal. Doch wenn wir mit den Generationen vor uns zusammentreffen, fällt uns plötzlich wieder ein, dass wir hier ja eigentlich gerade etwas verändern. Wir betrachten unsere Kinder nicht mehr als zu kleine, unfertige Erwachsene, die irgendwie an die Welt angepasst werden müssen. Wir betrachten Sie stattdessen als Menschen, die etwas mitbringen, das unsere Welt braucht. Unsere Aufgabe als Erwachsene ist es nun, diese Fähigkeiten nicht zu beschneiden, und ihnen die Möglichkeit zu geben, das Beste daraus zu machen.

Julia Dibbern findet in Die Tyrannenlüge Worte dafür, dass man sich manchmal allein fühlt, wenn um einen herum Kinder von ihren Eltern verhöhnt werden, wenn man wegen seiner „Kuschelpädagogik“ belächelt wird und wenn die Alten wieder mal über die Jugend von heute jammern.

Sie selbst schreibt in der Einleitung, dass es ihr schwer gefallen ist, das Buch zu schreiben, weil doch eigentlich schon alles klar ist, alles gesagt wurde und alles einleuchtet. Doch es ist eben noch nicht alles gut mit den Kindern von heute. Und das liegt am Umfeld. Um das zu verdeutlichen erklärt die Autorin zwei Modi.

  • Im sozialisierenden Modus geht man davon aus, dass das Kind zurechtgebogen werden muss, um bestimmte Normen zu erfüllen. Dieses Gedankengut finden wir tief verwurzelt in Institutionen und Köpfen.
  • Im unterstützenden Modus ist die Grundannahme, dass Kinder bereits gut und richtig sind. Der Fokus liegt darauf, dass die Welt lebenswert sein sollte.

Musstest Du beim Lesen auch unwillkürlich an den Umweltschutz denken, als ich von lebenswerter Welt schrieb? Ich finde ja, das passt wunderbar zusammen: Kinder, die von Beginn an in einem guten Umfeld leben, werden ein höheres Bedürfnis haben, die Natur, die sie umgibt zu schützen und zu achten. Schon allein aus Gründen der Arterhaltung müsste es uns Menschen deshalb ein Anliegen sein, uns empathisch den Erwachsenen von Morgen zuzuwenden.

Das Buch "Die Tyrannenlüge" von Julia Dibbern ist im Verlag Kösel erschienen und kostet 18,00€. Die ISBN lautet 978-3-466-31092-0. Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung eines kostenfreien Rezensionsexemplars.

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