Stadtgarten mit Kindern

Ach, es ist ein Kreuz mit unserem Garten... Dabei haben wir so ein Glück mit unserer Wohnung mitten in Augsburg. Mit Balkon. Und Garten...

Wir wohnen in einem Mietshaus in der Stadt und haben einen kleinen Garten. Mit Kind ist das ein Traum. Auch nach vier Jahren in der neuen Wohnung können wir unser Glück eigentlich noch gar nicht fassen. Die Wohnung im angesagtesten Viertel der Stadt kam uns durch Zufall zugeflogen und dann haben wir sogar noch einen Teil der Grünfläche außenrum bekommen. Das ist eigentlich zu schön um wahr zu sein.

Eigentlich. Denn bisher haben wir nicht viel aus unserem Garten gemacht.

Das Gartenjahr 2011: Baustelle

Dieses Jahr verdient den Namen Gartenjahr eigentlich gar nicht. Im April sind wir voller Tatendrang in unsere neue Wohnung gezogen. Die Familie hörte, dass wir einen Garten haben und begann umgehend damit, Sträucher abzustechen, Setzlinge bereit zu stellen und Stauden in Töpfen transportbereit zu machen.

Doch es kam anders. Die Bauarbeiten an der Fassade zogen sich hin. Statt einem Garten hatten wir rauchende Maler vor dem Fenster und gruselten uns, weil nachts Fremde auf dem Gerüst herumturnten. Später im Sommer wurden die Fenster dann sogar noch mit Folie verklebt, damit die Fassadenfarbe nicht die neuen Fensterrahmen bekleckert... Es war ein Graus.

Kurzum, der Herbst kam und wir hatten noch nicht einmal Gartenmöbel besorgt. Schließlich hatte gerade erst der Rasen angefangen zu keimen.

Das Gartenjahr 2012: Anfängerfehler

Voller Tatendrang habe ich bereits im Februar allerhand Samen gesteckt und auf der Fensterbank viele Pflanzen vorgezogen - viel zu früh, wie ich heute weiß. Die Triebe schossen in die Höhe, es war aber noch viel zu kalt, um die Pflanzen nach draußen zu setzen. Das Ergebnis war, dass ich im Mai viel zu große Pflanzen ins Freie setzte, die fast alle eingingen, oder beim Umzug von der Fensterbank in den Garten abknickten.

Wir hatten ein paar Beerensträucher, die noch zu klein waren, um Beeren zu tragen und einen Apfelbaum, der über den Winter erfroren war. Der einzige Genuss waren die Küchenkräuter. Doch selbst die konnten uns gar nicht schnell genug nachwachsen. Ich kaufte also trotzdem ständig Rucola und ließ mir von der Schwiegermutter Thymian mitbringen.

Das Gartenjahr 2013: Schwanger

Im Advent 2012 war ich schwanger geworden. Was mir nicht klar war: Neben Zigaretten, Alkohol und Rohmilchkäse sollte man auch auf die Gartenarbeit verzichten. Man könnte sich in der Erde Krankheiten holen, die dem Ungeborenen schaden. Naja, wenn man so etwas einmal gelesen hat, will man natürlich kein unnötiges Risiko eingehen. Also lag der Garten weitgehend brach. Im August kam das Kind, danach saßen wir manchmal im Freien, kümmerten uns aber sonst nicht weiter um das Gestrüpp.

Das Gartenjahr 2014: Die Treppe

Dann kam das nächste Frühjahr, das Kind begann zu krabbeln und ich war happy: Den gesamten Sommer würde ich mit dem Kind in unserem Garten verbringen und die schönsten Beete anlegen, Erdbeeren pflanzen und Gemüse anbauen. Das Kind sollte im Schlamm spielen und seine ersten Naturerfahrungen machen.

Aber die Rechnung ging wieder nicht auf. Parallel zu den immer wärmer werdenden Tagen interessierte sich mein Kind auch immer mehr für die Treppe, die vom Balkon in den Garten führte. Sobald man also die Balkontür öffnete, saß das Kind draußen. Sobald man den Garten betrat, krabbelte das Kind auf die Treppe zu. Nun ist das nicht irgendeine Treppe, sondern eben eine mörderische Metalltreppe mit fiesen Ecken und Kanten.

Wir fanden kein Türschutzgitter, das die Treppe zuverlässig abgesperrt hätte. Das Kind während der Gartenarbeit allein in der Wohnung zu lassen war auch keine sichere Option. Also viel die Gartenarbeit in diesem Jahr wieder aus.

Ab und zu setzten wir uns auf die Wiese, patschten ein bisschen in einer Wasserschüssel umher und machten niedliche Fotos. Doch sobald ich die Hand nach dem Spaten ausstreckte, krabbelte mein Sohn zur Treppe. An Arbeit war nicht zu denken.

Das Gartenjahr 2015: Realismus

Zum ersten Mal denke ich mir: Wie's kommt, so kommts. Ich bin entspannt. Die Nachbarn haben sich daran gewöhnt, dass es bei uns aussieht, wie bei Hempels unterm Sofa. Die geringschätzigen Blicke der Passanten sind mir mittlerweile egal. Mein Kind lebt noch und ist glücklich. Wen scheren da die Margeriten?

Im August wird der Sohn 2 Jahre alt. Ich bin mir nicht sicher, ob er das Wunder der Natur schon versteht, wenn ich mit ihm gemeinsam Samen säe und dann beobachte, wie sie wachsen. Das sind Zeiträume, die er noch nicht überblickt. Das Vogelhäuschen ist da schon eher nach seinem Geschmack und eine altersgerechte Beschäftigung. Vielleicht bauen wir dieses Jahr einen Sandkasten. Vielleicht auch nicht. Mal sehen.

Das Gartenjahr 2016: Purer Genuss

Im Frühjahr wurde unsere Tochter geboren. Als die Tage warm wurden, war ich wieder fit und sie hatte schon die ersten Speckpölsterchen angesetzt. So bestand unser Sommer vor allem daraus, im Garten auf der Wiese herumzulungern. Beinahe täglich hatten wir Besuch von anderen Kindern und Babies. Ich breitete große Decken aus, die Abends voller Eis, Erdbeerflecken und Krümel waren. Jeden Abend lief eine Waschmaschine und wusch die Erinnerungen an einen wundervollen Sommertag aus den Laken. Alle waren braungebrannt und meine Elternzeit war eine recht angenehme Phase.

Um den Garten selbst kümmerten sich häufig meine Mutter und meine Schwiegermutter. Sie besorgten Pflanzen, Düngten und schnitten aus.

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