04.11.2011

Wenn Facebook stirbt...

...bleibt Social Media Marketing trotzdem am Leben.

Lesezeit:

4 min


Anonymus schürt die Angst vor dem 5. November, denn an diesem Tag will das Hacker-Netzwerk Facebook „töten“ - wie es in einer Veröffentlichung heißt.

Für die meisten ist Facebook einfach eine praktische Möglichkeit, mit Freunden in Kontakt zu bleiben und im Alltag ein bisschen Zeit totzuschlagen. Es gibt aber auch Menschen, die mit Facebook ihr Geld verdienen – so wie ich. Menschen wie ich bieten ihren Kunden Social Media Marketing an.

Warum ich trotzdem keine Panik davor habe, dass das Soziale Netzwerk zerstört werden könnte, möchte ich heute erklären.

Facebook ist eine Werbeplattform

Facebook ist für Verbraucher ein Unterhaltungsmedium. Für Firmen ist es ein sehr angenehmer Weg, neue Kunden zu erreichen und mit der Zielgruppe zu kommunizieren. Gerade letzteres – der direkte Austausch mit Kunden und Interessenten - wurde erst durch Facebook möglich und fand vorher kaum statt. Ganz ohne Warteschlange, Hotline oder Briefverkehr haben Verbraucher die Möglichkeit, direkt mit Produzenten, Dienstleistern und Initiativen zu sprechen. Das geht ganz einfach über die Pinnwand auf der Facebook-Fanseite des jeweiligen Unternehmens.

Wird diese Fanseite professionell von einem kompetenten Mitarbeiter betrieben, so kümmert der sich darum, dass schnell eine zufriedenstellende Antwort auf den Kundenkommentar veröffentlich wird. Im besten Fall entsteht ein Dialog, der auch für andere Kunden interessant ist.

Werbeanzeigen, die man innerhalb von Facebook schaltet, können sehr genau einer Zielgruppe zugeordnet werden. Als Klubbesitzer kann damit zum Beispiel ganz gezielt Männer zwischen 20 und 25 aus Augsburg (plus 25 km Umkreis) ansprechen, die als Hobby „Party machen“ angegeben haben.

Sollten die beiden Möglichkeiten Kommunikation mit der Zielgruppe und zielgruppengenaue Werbeplatzierung nun wegfallen, weil Facebook kaputt geht, dann ist das auf alle Fälle ziemlich doof – aber eben auch kein Weltuntergang.

Werbung holen oder bringen?

Besonders praktisch für Unternehmen und Verbraucher: die Abofunktion bei Facebook. Sie ermöglicht es Verbrauchern, Fan eines Unternehmens zu werden. Fortan erhält er automatisch alle Neuigkeiten, die das Unternehmen veröffentlicht auf seiner Facebook-Startseite.

Als Unternehmen kann man sich sicher sein, dass alles, was man in dem Sozialen Netzwerk veröffentlicht auch von Leuten gelesen wird, die (ein mehr oder weniger) großes Interesse daran haben – anders ist das bspw. bei Printanzeigen oder Postwurfsendungen. Hier weiß niemand, ob sie aufmerksam gelesen werden oder ob darin Fisch eingewickelt wird.

Diese Abofunktion würde zunächst wegfallen, wenn Facebook zerstört wird. Und die Unternehmen müssen sich neue Wege suchen, mit möglichst geringem Streuverlust ihre Zielgruppe anzusprechen. Was für ein Glück, dass es bereits andere Abosysteme gibt, die man nutzen kann!

    • E-Mail-Newsletter: Verbraucher und Interessenten tragen sich auf der Firmenwebseite für den Newsletter ein und bekommen in regelmäßigen Abständen Interessante Informationen per E-Mail zugeschickt → E-Mail-Marketing
      • RSS-Feeds: Interessenten können über RSS-Reader oder über ihr Mailprogramm alle neuen Artikel von einem Blog abonnieren → Unternehmensblog
        • Twitter: Über den Microblogging-Dienst wird bereits jetzt erfolgreiches Marketing betrieben. Auch hier gibt es interessante Werbemöglichkeiten für Unternehmen → Social Media Marketing mit Twitter

        Dazu kommen beinahe monatlich neue Netzwerke, die sich je nach Zielgruppe unterschiedlich gut eignen.

          Was ändert sich, wenn Facebook ausfällt?

          Unternehmen, die bereits jetzt eine Social Media Strategie haben und deren Mitarbeiter auf Facebook aktiv sind, werden sich schnell umorientieren müssen, um die Ausfälle möglichst gering zu halten. Das neue Netzwerk Google Plus ist da im Moment noch keine Option, da Unternehmensprofile erst in der Testphase sind und Werbeanzeigen derzeit noch gar nicht geschaltet werden können.

          Es bleiben also (neben dem klassischen Marketing) zunächst nur die oben genannten Abosysteme, denn auch virales Marketing wird schwieriger, wenn Freunde nicht mehr unkompliziert über Facebook lustige Videos und interessante Link weiterverbreiten können.

          Doch hier muss sich die Qualität verbessern!

          Newsletter müssen noch besser gestaltet werden und für jeden Empfänger lesbar sein. Ein großes Problem hierbei sind die zahlreichen Rechner, auf denen noch Outlook 2007 läuft. Hier müssen endlich flächendeckende Updates her! Denn Mails kommen zu 50 Prozent beim Empfänger nicht so an, wie der Sender sie eingetippt hat.

          Wenn Blogs vis RSS-Feeds gelesen werden, dann müssen die Artikel kürzer und knackiger werden – sonst gehen sie in der Masse unter. Kommentare in Blogs sollten – genau wie die Fan-Beiträge auf Facebook – beantwortet werden.

          Tweets, die von Unternehmen gesendet werden, müssen interessanter und vor allem deutlicher werden. Jeden Tag das Gleiche zu twittern, ausschließlich Links zu veröffentlichen oder niemals Hashtags zu verwenden – das geht dann nicht mehr!

          Ich will damit sagen, dass das Ende von Facebook sicherlich für viele Unternehmen sehr unangenehm werden wird. Aber im Bereich Onlinemarketing war schon immer Kreativität und Einfallsreichtum gefragt (die SEOs können ein Lied davon singen...). Die SMM-Verantwortlichen müssen sich, falls es Facebook nicht mehr gibt, wieder viel genauer mit ihrer jeweiligen Zielgruppe auseinander setzen und sich noch einmal neu überlegen, auf welchen Internetseiten man diese erreichen kann. Vielleicht ist ja ein Beitrag in einem Forum für Hobbygärtner viel erfolgreicher als fünf Postings auf Facebook? Zusammen mit einer umfangreichen Aufklärung der Nutzer über die alternativen Abo-Möglichkeiten kann Social Media Marketing auch ohne Facebook wunderbar funktionieren.


          blog comments powered by Disqus