Frauen gründen - Was ich gerne gewusst hätte, bevor ich mich selbständig gemacht habe

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Hinterher ist man immer schlauer. So ist das auch bei mir. Ich blicke auf vier Jahre Selbständigkeit und ebenso viele Jahre Festanstellung zurück. Hier schreibe ich auf, was ich mir selbst bei der Gründung vor 8 Jahren gerne mit auf den Weg gegeben hätte.

THE FEMALE FOUNDERS BOOK von Val Racheeva und Maxi Knust

Affirmation zum Erfolg aus dem FEMALE FOUNDERS BOOK (Seite 36)

Meine Faszination für Gründerinnen

Das Thema Selbständigkeit und Unternehmensgründung fasziniert mich. Auch, oder gerade weil ich selbst als Einzelkämpferin nicht dauerhaft erfolgreich sein konnte. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir meiner Fehler bewusst bin, gut mit meiner damaligen Ahnungslosigkeit abgeschlossen habe und nun auch einen anderen Umgang mit meinem überbordenden Selbstbewusstsein habe. Hätte ich mit meinem eigenen beruflichen Werdegang noch keinen Frieden geschlossen, hätte ich mich auch nicht wirklich auf die Geschichten anderer selbständiger Frauen einlassen können. Doch ich finde sie heute mega spannend.

So möchte ich Euch drei Projekte vorstellen, von denen ich mir wünschte, ich hätte sie damals, vor acht Jahren schon gekannt, als ich mein eigenes kleines Unternehmen beim Gewerbeamt anmeldete.

Podcast: Unvergleichlich Ich

Podcast für Gründerinnen und Selbständige

Unvergleichlich Ich ist ein "Podcast für einzigartige GründerInnen, wertvolle Unternehmen und stimmige Kommunikation", wie Sarah Schäfer auf ihrer Webseite schreibt. Sie berichtet in jeder Folge über ein Thema, das selbständige Frauen beschäftigt, und hat für viele Probleme erstaunlich pragmatische Tipps und Ratschläge.

So hat mich - in Anbetracht meines eigenen Werdeganges - vor allem die Folge zur Preisfindung sehr nachdenklich gemacht. Was bin ich eigentlich Wert und wie komme ich auf einen angemessenen Preis? Hört hier die Folge zum Stundensatz an.

In anderen Folgen geht es zum Beispiel um Zeitmanagement, den Ausgleich zur Arbeit oder darum, welche Lehren man für seinen Alltag aus der Yoga Philosophie ziehen kann. Ich höre den Podcast seit der ersten Folge. Zum einen, weil ich fasziniert davon bin, wie gut Sarahs Ratschläge sind. Zum anderen, weil ich Sarah bereits persönlich kennen durfte, als sie mich für den Eigenstimmig Podcast interviewt hat, den sie gemeinsam mit Julia Meder macht.

Meine Empfehlung: Mit Folge 1 starten und Unvergleichlich Ich der Reihenfolge nach hören.

Podcast: Feuer und Brot

Feuer und Brot Podcast Thema Gründen

Der Feuer und Brot Podcast von Maxi und Alice ist sowieso zu empfehlen. Die beiden Freundinnen unterhalten sich in jeder Folge über feministische Themen. Sie argumentieren dabei fundiert, lassen eigene Erfahrungen einfließen und sind umfassend vorbereitet.

Besonders wichtig fand ich jedoch die Folge übers Gründen. Dazu hatten sich Maxi und Alice Pola Fendel eingeladen, die selbst ein Startup im Bereich Mode gegründet hat. Zu dritt haben die Frauen das Thema Gründen sehr praktisch durchgesprochen und dabei auch über die Frauenquote und das Sich Durchkämpfen geredet. Ich konnte aus dieser Folge jedenfalls wahnsinnig viel mitnehmen und möchte allen, die mit dem Gedanken an ein eigenes Unternehmen schwanger gehen, dringend empfehlen, sich bei Feuer und Brot die Folge #23 anzuhören.

Buch: THE FEMALE FOUNDERS BOOK von Val Racheeva und Maxi Knust

THE FEMALE FOUNDERS BOOK

Fast drei Monate hat mich dieses Buch für Unternehmerische Inspiration beschäftigt - so umfangreich und wertvoll fand ich das FEMALE FOUNDERS BOOK. Ich wurde darauf aufmerksam, weil meine Chefin Andrea Pfundmeier eine der Frauen ist, die für das Buch interviewt wurden. Eine von 30 Frauen, bzw. Teams, die in diesem Buch ihre Gründungsgeschichte erzählen. Es geht um Rückschläge, erstaunliche Zufälle, das Glück, die richtigen Co-Founder gefunden zu haben und ganz oft auch um Geld. Und um den Alltag als Chefin, Inhaberin und Entscheiderin.

Andrea hat mir gesagt, dass sie dieses Buch gerne durchblättert und ab und zu darin herum liest. Ich habe es tatsächlich von Anfang bis Ende durchgelesen, denn ich wollte keine der tollen Frauen verpassen.

Mir hat sich dann durch die Lektüre ein Bild ergeben, dass wesentlich vielschichtiger ist, als ich es erwartet hätte. So zeichnen die beiden Autorinnen Val Racheeva und Maxi Knust ein rundes Bild von dem Leben von Gründerinnen im deutschsprachigen Raum. Die beiden haben es geschafft auf sympathische Art zu zeigen, dass der Weg nach oben nicht immer geradlinig ist, dass sich aber dennoch immer Wege finden lassen. Auch wenn es einmal hart ist.

Tipps zur Produktivität aus dem FEMALE FOUNDERS BOOK (Seite 111)

Tipps zur Produktivität aus dem FEMALE FOUNDERS BOOK (Seite 111)

Einige Themen sind mir besonders in Erinnerung geblieben:

  • Tipps und Die Strategien zum Aufbau eines Netzwerkes (Seite 35)
  • Selbstwirksamkeit erfährt man dadurch, dass man etwas tut. Gabriele Schwarz, die Gründerin eines Solarenergieunternehmens, sagt dazu: "Aus (...) kleinen Aktionen kann man immer größere Kreise ziehen, denn man kann nicht von jetzt auf gleich die Welt retten. Aber wenn man dem Inneren Impuls folgt, ohne Angst zu haben, was andere über einen denken, dann kann man viel bewirken."
  • Einen guten Ratschlag zum Umgang mit den eigenen Ängsten hat Delia Fischer von Westwing. Sie hat sich hingesetzt und genau überlegt, welches Szenario bei verschiedenen Problemen der schlimmstmögliche Fall wäre. So hat sie gemerkt, dass sie eigentlich für jedes Problem schon eine Lösung parat hat. Ihr wurde klar, dass Scheitern nicht der Weltuntergang wäre. So ist es ihr gelungen, vor allem die diffusen und unklaren Befürchtungen in den Griff zu bekommen, die viele Frauen kennen. Ergänzend dazu ein Zitat aus dem Interview mit Olga Peters von QualiSense: "(...) was mich motiviert hat, war der Gedanke, dass ich selbst beim Scheitern noch gewonnen hätte. Denn ich wusste, dass alles, was ich gelernt habe auch bleibt und mir das niemand mehr wegnehmen kann."
  • Tipps zur Auswahl der passenden Mitgründer und zum Umgang mit den Mitarbeitern sowie der Zusammenarbeit im Team finden sich in fast allen Interviews.
  • Viele der Gründerinnen betonen, wie wichtig es ist, mit anderen über die eigene Idee zu sprechen, sich Feedback einzuholen und auf die Energien aus dem Netzwerk zu setzen. Geheimniskrämerei ist bei der Gründung fehl am Platz. Das wird an mehreren Stellen im Buch klar. Geht raus und redet mit den Leuten!

Sabrina Schönborn & Laura Gollers im FEMALE FOUNDERS BOOK (Seite 39)

Sabrina Schönborn & Laura Gollers im FEMALE FOUNDERS BOOK (Seite 39)

Die Zeiten sind im Moment einigermaßen günstig für Gründerinnen, denn die Medien sind Unternehmerinnen gegenüber derzeit sehr aufgeschlossen. Es gibt gute Möglichkeiten, um Aufmerksamkeit zu bekommen und Marketing zu machen. Und bekanntlich sind das zwei entscheidende Dinge, wenn man plant, ein Produkt zu verkaufen.

Mein Fazit zum FEMALE FOUNDERS BOOK: Es ist das perfekte Geschenk, für Freundinnen, Töchter und Kolleginnen, die mit dem Gedanken spielen, sich selbständig zu machen oder ein Unternehmen zu gründen. Neben den inspirierenden Interviews gibt es noch viele Tipps, Infoseiten und zahlreiche Linksammlungen zu verschiedenen Themen. Dieses Buch ist ein wertvolles Nachschlagewerk für Frauen, die aus der Standard-Erwerbsbiografie aussteigen wollen (oder bereits dabei sind).

Alle Infos rund um das Buch und Bestellmöglichkeiten findet Ihr hier.

Meine Selbständigkeit

Nun möchte ich noch ein wenig von meinem eigenen Werdegang erzählen.

Mein Selbstbewusstsein war eigentlich schon immer recht ausgeprägt. Stark in Richtung Überheblichkeit schwappte es vor allem am Ende des Studiums. Ich hatte einen Abschluss in der Tasche, eine ziemlich anspruchsvolle Abschlussarbeit geschrieben und recht ansehnliche Berufserfahrung, weil ich neben dem Studium immer gearbeitet hatte.

Ich fragte mich, wer mir denn nun, da ich endlich den Dozenten und Professoren entkommen war, nun noch was erzählen wollte - und beschloss, dass das ja wohl kaum möglich sei. Anstatt auf die Umwandlung meines Werkstudentenvertrages in eine Festanstellung zu hoffen, kündigte ich und machte mich kurzerhand selbständig. Ich hatte Fachwissen und Netzwerk genug, um mich als Social Media Beraterin durchzuschlagen.

Selfie

Ein paar Jahre wurstelte ich so vor mich hin, doch ich kam finanziell nicht vom Fleck, was sich durch die erste Schwangerschaft auch nicht unbedingt besserte. Gleichzeitig fiel es mir zunehmend schwerer, langfristige und befriedigende Kundenbeziehungen aufrecht zu erhalten. Zum einen fehlte mir das Gespür für die Denkweise der Kunden, mit denen ich es zu tun hatte. Zum anderen gelang es mir nicht, eigene Grenzen zu setzen und diese auch zu wahren. So dass mir - rückblickend kann ich das sagen - Kunden auf der Nase herum tanzten.

Die Elternzeit war deshalb eine willkommene Unterbrechung. Ich drückte den Reset Knopf und bewarb mich auf eine Teilzeitstelle. Mittlerweile habe ich den Job erneut gewechselt und arbeite in Vollzeit. Auch nach vier Jahren freue ich mich jeden Monat darüber, dass mein Gehalt einfach so, ohne Mahnungen, Gezeter und Rechtfertigungen auf meinem Konto landet. Und ach, wie herrlich ist es doch, sich nicht ständig mit dem Finanzamt auseinandersetzen zu müssen...

Meine zwei größten Fehler während der Selbständigkeit

Mir haben die drei oben beschriebenen Projekte dabei geholfen, meine beiden Schwachpunkte während der Selbständigkeit klarer zu sehen und zu formulieren:

  1. Es reicht nicht, gut zu sein. Niemand merkt von selbst, dass man gut ist. Fachwissen allein reicht nicht aus. Man muss es den Leuten auch unter die Nase reiben.
  2. Man sollte seine Wissenslücken kennen. Angefangen vom deutschen Steuersystem über Verkaufspsychologie bis dahin, was ich eigentlich will - heute weiß ich, was mir damals alles nicht klar war. Ich denke deshalb, man sollte sich mit seinen eigenen Wissenslücken befassen und sie beseitigen. Entweder, indem man sich fortbildet, oder indem man sich Hilfe holt. Lesen, sich austauschen und sich vernetzen - das wären die Tipps, die ich jeder Gründerin geben würde.

Würde ich mich noch einmal in die Selbständigkeit wagen? Nein. Ich denke, dass ich nicht der Typ dazu bin. Ich habe mir aber vorgenommen, damit aufzuhören, anderen davon abzuraten. Künftig werde ich einfach versuchen eine gute Beraterin zu sein, anstatt jemand, der überall Gefahren sieht und sich mit Grausen an den Papierkram erinnert.

Es gibt für alles eine Lösung und für manche Frauen ist der Weg in die Selbständigkeit der passende. Ich sage: Go Girl!